ArchivDeutsches Ärzteblatt3/1996Hausärzte: Nicht Neid und Polemik sind gefragt
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LNSLNSLNSLNS . . . Der Allgemeinarzt ist kein Barfuß- oder Basisarzt, der den Patienten lediglich verwaltet. Er benötigt im Gegenteil ein umfangreiches fächerübergreifendes Wissen über moderne Diagnostik und Therapie, um den Patienten qualifiziert beraten und der erforderlichen rationellen Diagnostik zuführen zu können, ohne ihm mit unnötiger Überdiagnostik zu schaden. Der Hausarzt muß Frühzeichen abwendbar gefährlicher Verläufe erkennen und die richtigen Weichen stellen. Er muß prüfen, ob die von verschiedenen Fachärzten verordneten Medikamente zusammenpassen und auf welche man notfalls verzichten kann.
Er ist es, der den von Fachärzten "austherapierten" Patienten bis zum Ende begleitet, seine Beschwerden lindert und die pflegenden Angehörigen berät und tröstet. Er ist es, der die vielen gebrechlichen alten Patienten zu Hause und im Altersheim betreut. Und vieles andere mehr.
Es dürfte klar sein, daß diese umfangreichen und für die Patientenversorgung so wichtigen Aufgaben nur durch einen qualifizierten Allgemeinarzt, der ebenfalls viele Jahre der Weiterbildung und Erfahrung hinter sich hat, gelöst werden können. Dem letzten Absatz des Briefes von Herrn Urbainc-zyk kann ich nur voll zustimmen. Selbstverständlich ist der Beratungsaufwand bei einer mesangioproliferativen Glomerulonephritis erheblich höher als bei einer Grippe. Nur, wer leistet diesen Beratungsaufwand? Einmal der diagnostizierende Internist, fünfmal der weiterbehandelnde Hausarzt (wovon bisher nur einmal bezahlt wurde), denn der Patient hat eine so schwierige Erkrankung nach einmal nicht verstanden. Leider wurden die meisten der obengenannten hausärztlichen Tätigkeiten in der Vergangenheit sehr schlecht oder gar nicht bezahlt, weshalb viele Kollegen in umfangreiche apparative Diagnostik ausweichen mußten, um zu überleben. Dies ist jedoch nicht ihre Aufgabe, denn wer vieles macht, kann nicht alles gut machen.
Der neue EBM gibt der Allgemeinmedizin eine Chance, sich auf ihre eigentlichen Aufgaben zu besinnen.
Nicht Neid und Polemik, sondern eine gute Zusammenarbeit aller Fachrichtungen sind gefragt.
Dr. med. Angela Jaschke-Eberhardt, Starkenburger Straße 83, 60386 Frankfurt
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