ArchivDeutsches Ärzteblatt50/2011Ärztemangel im Krankenhaus: Honorarärzte mindern die Not

POLITIK

Ärztemangel im Krankenhaus: Honorarärzte mindern die Not

Dtsch Arztebl 2011; 108(50): A-2698 / B-2252 / C-2224

Flintrop, Jens

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Immer mehr Kliniken, die Stellen im ärztlichen Dienst nicht besetzen können, greifen auf Honorarärzte zurück. Das zeigt das aktuelle Krankenhaus-Barometer.

Die Zahl der offenen Stellen im ärztlichen Dienst ist sowohl je Krankenhaus als auch bundesweit leicht rückläufig – allerdings nur, weil viele Krankenhäuser das Problem des Ärztemangels zumindest teilweise durch den Einsatz von Honorarärzten kompensieren. Dies geht aus dem aktuellen Krankenhaus-Barometer* hervor, das das Deutsche Krankenhausinstitut (DKI) jährlich erstellt.

Demnach haben im Jahr 2011 etwa drei Viertel der Krankenhäuser Probleme, offene Stellen im ärztlichen Dienst zu besetzen. Im Vergleich zu den beiden Vorjahren ist der Anteil damit leicht rückläufig. Dieser Rückgang ist allerdings ausschließlich auf die kleineren Krankenhäuser mit weniger als 300 Betten zurückzuführen. Bei den größeren Krankenhäusern ist der Anteil sogar noch leicht gestiegen.

Anzeige
Foto: iStockphoto
Foto: iStockphoto

Krankenhäuser mit Personalmangel im ärztlichen Dienst konnten im Mittel circa 3,5 Vollkraftstellen nicht besetzen. Im Vergleich zu den beiden Vorjahren mit durchschnittlich jeweils etwa vier vakanten Arztstellen ist der Ärztemangel in den betroffenen Krankenhäusern somit etwas rückläufig. Dieser Effekt ist maßgeblich auf einen überproportionalen Rückgang der offenen Arztstellen in den größeren Krankenhäusern mit mehr als 600 Betten zurückzuführen.

Rechnet man die Ergebnisse der Befragung auf die Grundgesamtheit aller Allgemeinkrankenhäuser mit mehr als 50 Betten hoch, können aktuell bundesweit ungefähr 3 800 Vollkraftstellen im ärztlichen Dienst nicht besetzt werden. Vor einem Jahr waren es noch 4 900 gewesen: „Gleichwohl bleibt der Personalmangel im ärztlichen Dienst ein gravierendes Problem der Krankenhausversorgung“, betont das DKI. Die Situation habe sich nur vordergründig entspannt, weil die Krankenhäuser das Problem des Ärztemangels nur durch den Einsatz von Honorarärzten und auch nur teilweise hätten kompensieren können.

Kliniken: Honorarärzte kosten mehr als angestellte Ärzte

71 Prozent der Krankenhäuser gaben an, im Jahr 2010 Honorarärzte beschäftigt zu haben. Gegenüber 2009, als 64 Prozent der Krankenhäuser Honorarärzte eingesetzt hatten, nahm der Anteil somit nochmals zu. Große Krankenhäuser mit mehr als 600 Betten setzten dabei weniger auf den Einsatz von Honorarärzten als kleinere.

Im Jahresdurchschnitt entsprach die Beschäftigung von Honorarärzten über alle Krankenhäuser hinweg einem Stellenäquivalent von 2,5 ärztlichen Vollkräften je Einrichtung. Das DKI hat diese Zahl wiederum hochgerechnet auf die Grundgesamtheit aller Allgemeinkrankenhäuser mit mehr als 50 Betten: Der Einsatz der Honorarärzte entspricht demnach einem Stellenäquivalent von knapp 2 500 ärztlichen Vollkräften. Auffallend: 65 Prozent der honorarärztlichen Vollzeitäquivalente kommen in den kleinen Krankenhäusern mit weniger als 300 Betten zum Einsatz – und das, obwohl dort nur circa 23 Prozent der ärztlichen Vollkräfte in den Krankenhäusern tätig sind.

Dass die Krankenhäuser vor allem aus der Not heraus auf den Einsatz von Honorarärzten setzen, belegen die Antworten auf die Frage nach den Kosten: 88 Prozent der Krankenhäuser führten an, dass die Kosten für Honorarärzte höher ausfallen als für die fest angestellten Ärzte. Honorarärzte würden somit in hohem Maße trotz höherer Personalkosten beschäftigt, resümiert das DKI: „Dies reflektiert nachdrücklich den Ärztemangel im Krankenhaus und zeigt, wie notwendig Honorarärzte mittlerweile zur zusätzlichen Absicherung der ärztlichen Versorgung im Krankenhaus sind.“

Doch der Fachkräftemangel in den Krankenhäusern beschränkt sich nicht auf die Ärztinnen und Ärzte: Nach dem Krankenhaus-Barometer fehlen aktuell 3 000 Vollkräfte im Pflegedienst der bettenführenden Bereiche, 1 500 in der Funktionspflege, 1 200 in der Intensivpflege, und 350 in der medizinisch-technischen Radiologieassistenz.

Jens Flintrop

* Die Ergebnisse des Krankenhaus-Barometers 2011 beruhen auf der schriftlichen Befragung einer repräsentativen Stichprobe von zugelassenen Allgemeinkrankenhäusern ab 50 Betten in Deutschland, welche von April bis Juli 2011 durchgeführt worden ist. Beteiligt haben sich 272 Krankenhäuser.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema