ArchivDeutsches Ärzteblatt24/1998Pankreaskarzinom: Immunologische Therapie-Studie

SPEKTRUM: Akut

Pankreaskarzinom: Immunologische Therapie-Studie

Glomp, Ingrid

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LNSLNS Eine immunologische Methode zur Therapie des inoperablen Pankreaskarzinoms haben Prof. Wolff Schmiegel (Universität Bochum) sowie Kollegen aus Bochum, Kiel und Hamburg entwickelt. Dem Verfahren liegt die Beobachtung zugrunde, daß sich an Krebszellen mit einer hohen Dichte an Rezeptoren für epidermale Wachstumsfaktoren (EGRF) viele Antikörper anheften und Killer-Zellen anlocken, die die Tumorzellen zerstören. Schmiegel und Kollegen hatten schon vor einigen Jahren verschiedene Cytokine getestet und entdeckt, daß sich Tumor-Nekrose-Faktor-alpha am besten dazu eignete, die Anzahl der EGRF auf Pankreaskrebszellen zu erhöhen. Um zu testen, ob sich dies für eine Therapie nutzen läßt, injizierten sie menschliche Krebszellen aus der Bauchspeicheldrüse in Mäuse, die daraufhin Tumoren entwickelten.


Erhielten diese Mäuse dann TNF-alpha und Antikörper gegen EGRF, so stellten die Tumoren ihr Wachstum ein oder verschwanden in drei von siebzehn Fällen sogar. Um die Methode an Patienten zu erproben, wurden 26 Patienten mit inoperablem Pankreaskarzinom im Rahmen einer klinischen Phase-I/II-Studie in drei Gruppen eingeteilt (Proc Nat Acad Sci 1997; 94: 12622-12626). Alle Probanden erhielten eine konstante Dosis TNFalpha sowie - je nach Gruppe - eine andere Antikörpermenge. Bei den Patienten, die die höchste Antikörperdosis bekamen, wurde das Tumorwachstum im Vergleich zu denjenigen mit der niedrigsten Dosis signifikant gebremst. Das spiegelte sich auch in der Überlebenszeit wider (18,6 beziehungsweise 17,1 Wochen versus 5,9 Wochen). Bei einer Patientin, die die maximale Dosis erhielt, trat eine komplette Remission ein, die drei Jahre andauerte.

Die Autoren geben zu bedenken, daß die Patientenzahl relativ klein ist. Außerdem erhielten sie nur einen Behandlungszyklus, da die Antikörper ursprünglich aus der Maus stammten und damit zu rechnen war, daß Menschen, denen man sie verabreicht, Antikörper gegen sie bilden. In der Tat fand man bei etwa einem Drittel der Patienten - unabhängig von der Maus-Antikörper-Dosis - eine solche Immunantwort. Wie Schmiegel erklärt, ist eine Anschlußstudie nach dem gleichen Konzept geplant, jedoch mit humanisierten Antikörpern, die im Patienten keine derartige Reaktion hervorrufen und deshalb mehrere Behandlungszyklen erlauben sollten. In Deutschland erkranken jährlich 10 000 Menschen am Pankreaskarzinom. Dr. Ingrid Glomp


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