ArchivDeutsches Ärzteblatt50/20116. Nationaler IT-Gipfel: Zukunftsthema E-Health

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6. Nationaler IT-Gipfel: Zukunftsthema E-Health

Krüger-Brand, Heike E.

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„Die Möglichkeiten der Telemedizin werden uns in den nächsten Jahren sicherlich noch ganz besonders beschäftigen.“ Angela Merkel. Foto: dpd
„Die Möglichkeiten der Telemedizin werden uns in den nächsten Jahren sicherlich noch ganz besonders beschäftigen.“ Angela Merkel. Foto: dpd

Um die Potenziale anwendungsorientierter Informationstechnologie für das Gesundheitswesen zu erschließen, sind gezielte Maßnahmen und Strategien erforderlich.

Deutschland liegt bei den Informations- und Telekommunikationstechnologien (IKT) im internationalen Vergleich mit führenden IKT-Nationen nur im Mittelfeld. Das ist das Ergebnis einer Studie des Marktforschungsinstituts TNS-Infratest, die beim 6. IT-Gipfel der Bundesregierung, dem jährlichen Strategieforum von Politik, Wirtschaft und Wissenschaft zur digitalen Zukunft des Landes, in München vorgestellt wurde. Für den Bereich der Gesundheitstelematik dürfte ein Ranking derzeit kaum besser ausfallen, denn der Aufbau einer bundesweiten Telematikinfrastruktur für das Gesundheitswesen kommt bislang nur schleppend voran.

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Seit dem vergangenen Jahr zählt E-Health immerhin zu den zentralen Themen des IT-Gipfels, und in diesem Jahr befassten sich gleich zwei von vier Diskussionsforen unter wirtschaftspolitischer sowie unter anwendungs- und versorgungspolitischer Perspektive mit den Möglichkeiten der Gesundheitstelematik. Das unterstreicht den hohen Stellenwert, den viele Experten inzwischen dem Einsatz der Informations- und Kommunikationstechnologien im Gesundheitswesen zur Lösung vielfältiger gesellschaftlicher Herausforderungen beimessen.

Darüber hinaus gibt es beim Thema Gesundheitskarte „erfreuliche Fortschritte“, wie Bundeskanzlerin Angela Merkel in ihrer Rede konstatierte. Einen Tag zuvor hatte die Gesellschafterversammlung der Gematik den erfolgreichen Abschluss des Basis-Rollouts – der flächendeckenden Ausgabe der Kartenterminals – verkündet und einen stufenweisen Ausbau der Online-Anwendungen der Karte beschlossen. Begonnen wird zunächst mit der Online-Aktualisierung der Versichertenstammdaten und der qualifizierten elektronischen Signatur. Das sei ein schönes Beispiel dafür, erklärte Merkel, dass die Beschränkungen bei der Einführung zu einer schnelleren Verbreitung der Karte geführt hätten und weitere Anwendungen auf der Plattform der Infrastruktur dann ausgebaut werden könnten.

Dabei werden nutzerorientierte telemedizinische Anwendungen und Dienste für die Versorgung künftig verstärkt eine Rolle spielen. Zwei Trends seien es vor allem, die uns die nächsten Jahre begleiten werden, betonte Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr beim Forum „Digitale Welt: Wie verbessern neue Technologien unser Leben?“: die alternde Bevölkerung und das damit verbundene Aufkommen von Patienten mit komplexen Krankheitsbildern einerseits und der zunehmende Fachkräftemangel in der Fläche, mit dem das Gesundheits- und das Pflegewesen zu kämpfen hätten, andererseits. IT könne die Zusammenarbeit und den Austausch zwischen ärztlichen und nichtärztlichen Berufen verbessern und dazu beitragen, medizinische Leistungen und Expertenwissen in der Fläche zur Verfügung zu stellen.

„Noch sind längst nicht alle Ärzte vom Nutzen der Telematikinfrastruktur überzeugt“, betonte Dr. med. Franz-Joseph Bartmann, Telematikbeauftragter der Bundesärztekammer. Denn die Medizin sei ihren Wurzeln nach analog, auf Gespräch und Anamnese ausgerichtet. Allerdings seien viele hochkomplexe Diagnose- und Behandlungsverfahren nur noch mit digitalen Verfahren umsetzbar und die digitale Übertragung und Verfügbarkeit von Daten daher zunehmend wichtig.

Bartmann verwies in diesem Zusammenhang auf die Arbeit der E-Health-Initiative, die dazu beitragen soll, die flächendeckende Nutzung von telemedizinischen Anwendungen voranzubringen und die Aktivitäten aller Beteiligten zu koordinieren. Hier sei man auf einem guten Weg. Weit fortgeschritten ist beispielsweise die Entwicklung eines Informations- und Unterstützungssystems für telemedizinische Anwendungen, das bis zum nächsten IT-Gipfel 2012 in Essen verfügbar sein soll. Das System soll unter anderem auch Musterverträge oder Datenschutzkonzepte bereitstellen, um Projekten den Weg in die Regelversorgung zu erleichtern. Darüber hinaus hat die Initiative ein Konsenspapier erarbeitet, auf dessen Grundlage die Integration von technischen und medizinischen Standards in den IT-Systemen ermöglicht und die Interoperabilität von Lösungen hergestellt werden sollen. Die Initiative wird vom Bundesministerium für Gesundheit, allen Organisationen der Selbstverwaltung sowie Industrieverbänden und Forschungsinstituten getragen.

Heike E. Krüger-Brand

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