ArchivDeutsches Ärzteblatt24/1998Honorar: Für Gotteslohn

SPEKTRUM: Leserbriefe

Honorar: Für Gotteslohn

Kleemann, Ulrich

Zur Berechnung von Honorar bei Kollegen:
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LNSLNS Im hippokratischen Eid ist unter anderem vorgesehen: einander zu achten und sich gegenseitig ohne Honorarforderung zu behandeln. Ich habe mich in meiner ganzen 35jährigen Praxistätigkeit daran gehalten. Weder für den Zeitaufwand der damals noch beschränkter als heute möglichen Untersuchungen, der biographischen Anamneseerhebung, bei Duodenalsonden, fraktionierten Magensaftuntersuchungen, Röntgen- und Laboruntersuchungen noch für die dabei anfallenden Praxisunkosten habe ich Kollegen, ihren Ehefrauen und Kindern sowie Pfarrern und ihren Familienangehörigen ein Honorar in Rechnung gestellt.
Heute beginnt sich dieses Verhalten der Ärzte und Kollegen zu ändern. Nur für eine Narkose bei einer ambulanten Operation erhielt ich - um nur ein Beispiel zu nennen - vom Anästhesisten eine Rechnung über 1 277 DM. Das ist fast die dreifache Summe, die normal für eine bei RVO- und Ersatzkassenpatienten durchgeführte ambulante Narkose berechnet werden kann. Für diese Summe habe ich elf Kassenpatienten ein Quartal lang behandeln müssen.
In den zehn Jahren meiner Tätigkeit als Arzt an Krankenhäusern bis zur Freigabe der Niederlassung gab es vom Staat als Arbeitgeber keinen Zuschuß zum Aufbau einer Altersversorgung. Es gab bei einer wöchentlichen Arbeitszeit von etwa 80 Stunden keine Bezahlung von Wochenend- und Nachtdiensten, und wenn wir Dienst hatten, gab es keine offizielle Verpflegung, sondern die Krankenschwestern steckten uns etwas zu. Als ich einmal fragte, ob es kein Honorar für die Nachtdienste und den Wochenenddienst geben würde, erhielt ich die Antwort: "Ihr verdient ja später genug, seid froh, daß Ihr so vieles lernen könnt!"
Im Hinblick auf die zunehmende Verbreitung der Gewohnheit der Ärzte, sich bei Konsultationen Rech-nungen auszustellen, sei ab-schließend daran erinnert, daß diese Mode sich für die gesamte Ärzteschaft ungünstig auswirken wird, weil sie zu fortlaufend steigenden Krankenkassenbeiträgen führt.
Jeder von uns Ärzten braucht irgendwann einmal, vor allem im Alter, die Hilfe der Kollegen, muß also das, was er an ihnen verdient hat, dann wieder über die Kran­ken­ver­siche­rungsbeiträge abbezahlen. Außerdem sollten wir Kollegen uns eisern daran halten, daß dann, wenn wir schon ärztlichen Kollegen Rechnungen ausstellen, diese den einfachen Satz der GOÄ nicht überschreiten.
Dr. med. Ulrich Kleemann, Zeppelinstraße 24, 88212 Ravensburg


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