ArchivDeutsches Ärzteblatt16/1996Medikamentenbudgets im Griff

POLITIK: Die Glosse

Medikamentenbudgets im Griff

Lamers, M.

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Vielfältig sind die Möglichkeiten, die moderne Praxiscomputer-Systeme Ärzten bieten; doch nicht alles, was sie leisten können, kann auch von allen genutzt werden. Will man den Computeranbietern glauben, so garantiert der Einsatz einer Praxis-EDV jederzeit Transparenz über Medikamentenpreise und den Umfang der eigenen Verschreibungen. Damit soll es dann jedem Arzt gelingen, Regresse zu vermeiden und "Medikamentenbudgets optimal auszulasten".
Dies stimmt so nicht. Die meisten Ärzte sind nicht bereit, sich in ihrer Medikation von anderen als medizinischen Gesichtspunkten leiten zu lassen. Darüber hinaus ist die Statistik aus dem Computer niemals "wahr". Weder die Rezepte, die gar nicht in der Apotheke ankommen, noch die tatsächlich verursachten Kosten zu aktuellen Preisen können im Computer berücksichtigt werden. Der Arzt bekommt immer falsche Zahlen, die aber (vermeintlich genau) mit drei Stellen hinter dem Komma.
Dennoch werden die Befürworter einer allumfassenden Verdrahtung sämtlicher Praxen, Ärzte und Patienten nicht müde, die lückenlose Kontrolle durch den Arzt zu propagieren. So wird inzwischen fast überall der Nutzen der EDV in bezug auf die Verschreibungs-Transparenz bereits als Tatsache gehandelt. Der Beweis wird dann nicht selten mit Ärzten angetreten, die EDV-begeistert sind und eine ausgeprägte kaufmännische Ader besitzen. Die spielen virtuos auf dem betriebswirtschaftlichen EDV-Klavier und holen tatsächlich etliche Vorteile für sich heraus. Diese gibt es natürlich. Offenbar kommt aber keiner auf die Idee, daß es sich bei diesen ärztlichen Vorzeigeunternehmern um lobenswerte Ausnahmen handeln könnte.
Denn wenn es wirklich so wäre, daß der größere Teil der Ärzte ihre Zahlen mit EDV besser im Griff hätten, dann müßten logischerweise in den Kassenärztlichen Vereinigungen, in denen die Ärzte angeblich besonders EDV-freundlich sind, die zur Verfügung stehenden Budgets besonders gut ausgeschöpft werden. Das ist allerdings nicht der Fall. Vielleicht sollte der Nutzen der EDV in einigen Bereichen künftig wieder etwas weniger unkritisch betrachtet werden.
Werner M. Lamers
48727 Billerbeck
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote