ArchivDeutsches Ärzteblatt51-52/2011Schach: Marathon und Sitzfleisch

SCHLUSSPUNKT

Schach: Marathon und Sitzfleisch

Pfleger, Helmut

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Foto: Dagobert Kohlmeyer
Foto: Dagobert Kohlmeyer

Schachspieler vergessen es zuweilen, doch der Mensch besteht nicht nur aus seinem Kopf (umgekehrt meinte der Pressesprecher des FC Bayern einst, die Fußballer hätten es nicht nur in den Waden – wer hätte das gedacht?!). Ich will hier gar nicht so sehr auf das für Schachspieler ebenfalls unerlässliche „Sitzfleisch“ (übrigens sogar ein Lehnwort im Russischen, was einst den Schachweltmeister Anatoli Karpow zur spöttischen Bemerkung veranlasste, Frauen könnten nie mit den Männern gleichziehen, weil sie nicht fünf Stunden lang ruhig sitzen bleiben können) verweisen, welches ja doch ein zutiefst statisches Element ist, sondern auf einen gesunden Körper in all seiner Beweglichkeit überhaupt. Nun muss man wohl keinem Arzt die Binsenwahrheit „Mens sana in corpore sano“ ins Stammbuch schreiben, aber auch diese sind oft genug vor einem wenig gesunden Leben nicht gefeit.

Beim letzten Ärzteschachturnier sagte mir Dr. med. Horst Ortmann aus dem schwäbischen Gerstetten, dass er peu à peu die Praxis seinem Sohn übergeben wolle, um so mehr Zeit fürs Lesen, Reisen, das Schachspiel und – last but not least – fürs jährliche Sportabzeichen zu haben. Das erinnert mich an den Bundespräsidenten a. D. Richard von Weizsäcker, der aufgrund seiner beneidenswerten geistigen und körperlichen Frische, wozu wohl auch das Schachspiel und das jährliche Sportabzeichen beitragen mögen, selbst mit 91 Jahren noch mit klugem Urteil Einfluss nicht nur auf das deutsche, sondern auch aufs Weltgeschehen nimmt.

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Doch jetzt ohne weitere Umschweife zu Dr. med. Richard Berthold, dem „Marathonmann“, der mehr denn je – dabei ist er ein „Spätbekehrter“ – Läufe überall auf der Welt bestreitet. So zum Beispiel den Ultramarathon „Comrade“ in Südafrika, wobei man 89 Kilometer mit einem Höhenunterschied von 1 800 Meter, rauf und runter, in zwölf Stunden schaffen muss. Zu Hause läuft der Diabetesarzt mit seinen meist übergewichtigen Patienten im Rahmen der therapeutischen Ertüchtigung vermutlich etwas langsamer durch Neunkirchens Straßen – aber vielleicht jetten Neunkirchens Diabetespatienten auch bald von einem Marathon zum anderen?! Und die Krankenkassen jauchzen und frohlocken.

Schnell musste sich Dr. Berthold wiederum gegen Dr. med. Halim Aydin entscheiden, der mit drei Bauern gegen einen Springer am Damenflügel einen gefährlichen Freibauern zu bilden drohte. Mit zwei klugen Sprüngen eroberte er indes als Weißer am Zug zwangsläufig die „Qualität“ (Turm gegen Springer), wonach das „Schachrennen“ fast schon gelaufen war. Wie kam’s?

Lösung:

Wie eine Bombe platzte der Springer mit Schachgebot ins feindliche Lager: 1. Sf6+!, um nach dem erzwungenen 1. . . . Kh8 (denn die Annahme des Springeropfers mit 1. . . . gxf6 scheitert an 2. gxf6+ Kh8 3. Dg7 matt) mit 2. Sd7! die beiden Türme b8 und f8 „aufzugabeln“. Einer der beiden musste dran glauben, wonach das materielle Übergewicht für Weiß entschied.

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