ArchivDeutsches Ärzteblatt3/1996Heilmethoden: Wahrlich nicht zu beneiden
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LNSLNS Es ist immer dasselbe: in manchen Köpfen scheint eine erstaunliche Unordnung zu herrschen. Daher langsam, zum Mitschreiben: Naturheilverfahren sind ein Bestandteil der rationalen, wissenschaftlich begründeten Medizin (der Begriff "Schulmedizin" eignet sich nur zur Polemik). Außenseitermethoden sind nicht gleich Naturheilverfahren.
Homöopathie, Phytotherapie und anthroposophische Medizin sind keine "Außenseitermethoden", sondern sogenannte "besondere Therapierichtungen", denen der Gesetzgeber – aus welchen Gründen auch immer – einen Wirksamkeitsnachweis nach den üblichen Kriterien mit biomathematischen Verfahren ersparen will.
Wenn Außenseitermethoden den Standardmethoden (auch der Naturheilkunde) gleichwertig oder überlegen sein wollen, müssen sie dafür wissenschaftlich stichhaltige Belege vorlegen. Bei so häufigen Störungen wie Neurodermitis, Asthma, Migräne etc., für die alle Standardtherapien existieren, ist nicht einzusehen, warum dies nicht mit biomathematischen Methoden geschehen kann.
"Statistisch signifikant" allein ist gewiß nicht gleich klinisch wirksam und therapeutisch brauchbar; Effekte, die sich aber nicht belegen lassen, sind wohl keine. "Versuchsreihen" bei chronisch Kranken, wie alle Versuche bei Patienten, bedürfen der ethischen Rechtfertigung: es muß zu erwarten sein, daß die zu prüfenden Methoden wirksamer sind als Standardverfahren oder zumindest bei gleicher Wirksamkeit weniger unerwünschte Wirkungen aufweisen. Dabei ersetzen Ideologien das rationale Denken nicht.
Das Institut für medizinische Informatik der Universität Essen, das die Versuchsreihe "wissenschaftlich begleiten" soll, ist wahrlich nicht zu beneiden.
Dr. med. Ernst Eben, August-Exter-Straße 6 a, 81245 München
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