ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/2012Prävention statt Therapie
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Die Autoren berichten epidemiologische Daten zu anamnestischen Kindeswohlgefährdungen in den Gebieten Misshandlung, Missbrauch und Vernachlässigung. Diese Daten liefern einen wichtigen Beitrag zum Kinderschutz, um Risiken besser einschätzen zu können. Zugleich möchte ich auf aktuelle Entwicklungen für die Prävention hinweisen. In den letzten Jahren wurden im Rahmen der „Frühen Hilfen“ Screening-Werkzeuge erarbeitet, die es ermöglichen, besondere Risikofaktoren in Familien schon in der Neugeborenenzeit abzufragen (1, 2).

Wesentliche Risikofaktoren sind demnach unter anderem:

  • auf Seiten der Eltern eigene Misshandlungserfahrungen, Delinquenz, psychische Erkrankungen und Sucht,
  • auf Seiten der Familie soziale Isolation, wenig Selbstvertrauen, häufige Krisen und Gewaltausbrüche, sowie vorherige Jugendamt-Inventionen sowie
  • auf Seiten des Kindes unrealistische Erwartungen der Eltern an das Verhalten des Kindes, ungewollte Schwangerschaft, verzögerter oder auffälliger Beziehungsaufbau, wiederholte harte Bestrafungen und Erleben des Kindes als „schwierig“ oder “provokant“ (2). Die Risikofaktoren sollten frühzeitig erhoben werden, um eine Kindeswohlgefährdung zu verhindern.

Wer sollte ein Risiko-Screening anbieten? Vielleicht ist eine wichtige Voraussetzung für die Akzeptanz, dass gegenüber Eltern betont wird, dass die Teilnahme freiwillig ist und ein Hilfsangebot darstellt. Mögliche Partner der Eltern wären Geburtskliniken sowie niedergelassene Hebammen und Kinderärzte. Für diese Gruppe wäre es wünschenswert, dass definierte Fragebögen mit tauglichen Einzelelementen existieren. Diese sind in Deutschland noch nicht verfügbar und werden aktuell erst erarbeitet (3).

DOI: 10.3238/arztebl.2012.0014a

Prof. Dr. med. Martin H. Maurer

Tübingen

martin.maurer@alumni.uni-heidelberg.de

Interessenkonflikt
Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Mikton C, Butchart A: Child maltreatment prevention: a systematic review of reviews. Bull World Health Organ 2009; 87(5): 353–61. CrossRef MEDLINE
2.
Kindler H: Risikoscreening als systematischer Zugang zu Frühen Hilfen – Ein gangbarer Weg? Bundesgesundheitsblatt Gesundheitsforschung Gesundheitsschutz 2010; 53(10): 1073–9. CrossRef MEDLINE
3.
Stiftung Deutsches Forum Kinderzukunft: Risikoinventar-Prävention. http://www.risikoinventar-praevention.de
4.
Häuser W, Schmutzer G, Brähler E, Glaesmer H: Maltreatment in childhood and adolescence: results from a survey of a representative sample of the German population. Dtsch Arztebl Int 2011; 108(17): 287–94. VOLLTEXT
1.Mikton C, Butchart A: Child maltreatment prevention: a systematic review of reviews. Bull World Health Organ 2009; 87(5): 353–61. CrossRef MEDLINE
2.Kindler H: Risikoscreening als systematischer Zugang zu Frühen Hilfen – Ein gangbarer Weg? Bundesgesundheitsblatt Gesundheitsforschung Gesundheitsschutz 2010; 53(10): 1073–9. CrossRef MEDLINE
3.Stiftung Deutsches Forum Kinderzukunft: Risikoinventar-Prävention. http://www.risikoinventar-praevention.de
4.Häuser W, Schmutzer G, Brähler E, Glaesmer H: Maltreatment in childhood and adolescence: results from a survey of a representative sample of the German population. Dtsch Arztebl Int 2011; 108(17): 287–94. VOLLTEXT

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