ArchivDeutsches Ärzteblatt24/1998Rohstoffe: Energie-Fonds legten teilweise etwas zu

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Rohstoffe: Energie-Fonds legten teilweise etwas zu

Löwe, Armin

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LNSLNS 1972 prophezeiten die im Club of Rome zusammenarbeitenden Experten eine drohende Verknappung wichtiger fester und flüssiger Rohstoffe. Doch derzeit ist eher eine Rohstoffschwemme zu verzeichnen - schlechte Zeiten für Anleger in Rohstoff-Fonds.


Mitte des letzten Jahres schienen noch alle Voraussetzungen für eine Rohstoffhausse vorzuliegen. Die USamerikanische Wirtschaft befand sich bereits im sechsten Jahr eines robusten Aufschwungs. Auch in Europa zeigte die Konjunktur alle Anzeichen für eine zügige Aufwärtsentwicklung. Alle Industrieländer - von Japan abgesehen - befinden sich in einer kräftigen Erholung. Einen Strich durch alle Prognosen machte allerdings die asiatische Krise, die zu kräftigen Wachstumseinbußen führte - mit der Folge, daß die Nachfrage nach Rohstoffen regelrecht einbrach. Dies zeigt sich auch deutlich in der Preisentwicklung für Rohstoffe. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, liegen die Rohstoffnotierungen weit unter Vorjahresniveau. Viele Rohstoffe notieren in der Nähe ihrer langfristigen Tiefststände. Der Journal of Commerce-Index für industrielle Rohstoffe fiel im Februar auf sein Vier-Jahres-Tief. Auch viele Agrarrohstoffe haben erhebliche Preiseinbußen hinnehmen müssen.
Vor diesem Hintergrund haben es die Manager von Rohstoff-Fonds schwer, eine vernünftige Performance zu erzielen. Die sogenannten Rohstoff- oder Energie-Fonds legen nicht direkt in Rohstoffen an. Die meisten dürfen dies nach ihren Anlagegrundsätzen auch gar nicht. Sie investieren in Aktien von Unternehmen, die Rohstoffe fördern. Das ist weit weniger riskant, als direkt Rohstoffe zu erwerben. Aber in den Aktien der Förderunternehmen spiegelt sich der Preisverfall natürlich wider. Dennoch können diese dem Preisverfall, dem die Rohstoffe selbst nicht entgehen können, ausweichen oder seine Folgen mildern. Goldproduzenten sind zum Beispiel dazu übergegangen, weniger rentable Minen zu schließen. Auf diese Weise können manche auch bei niedrigen Preisen noch auskömmlich fördern. Andere haben große Teile ihres in Zukunft zu fördernden Goldes bereits zu besseren Preisen in der Vergangenheit verkauft. Das bringt es mit sich, daß die Goldminenaktien oft schon bei einem leichten Anziehen des Goldpreises erheblich im Kurs steigen und einen weiteren Preisanstieg des Metalls vorwegnehmen.
Gleichwohl scheint im Augenblick wenig für Rohstoff-Fonds zu sprechen - auch wenn sich die Zeichen mehren, daß bei einigen Rohstoffen nach unten übertrieben worden ist, so wie an den Aktienmärkten offenbar derzeit nach oben übertrieben wird. Übertreibungen gehören zur Börse; durch die immerwährende Korrektur von Übertreibungen versuchen die Marktteilnehmer, sich an den richtigen Preis heranzutasten. In vielen Rohstoffnotierungen sehen Experten dann auch die schlimmsten Befürchtungen im Hinblick auf den Nachfrageausfall der asiatischen Krisenländer bereits enthalten.
Die Manager von Rohstoff-Fonds können auch darauf verweisen, daß die Entwicklung dieser Märkte nicht mit der der Aktienmärkte korreliert. Das heißt überspitzt: Die Rohstoffbörsen haussieren, wenn die Aktienbörsen darniederliegen, und umgekehrt. Für Anleger bedeutet das, daß sich durch eine Beimischung von RohstoffFonds zu einem Aktiendepot (oder einem Portefeuille von Aktienfonds) ei-ne Portfoliooptimierung erreichen läßt. Wenn die Aktienbörsen wieder einmal schlechtere Zeiten erleben, können Rohstoff-Fonds, die dann möglicherweise in eine Aufschwungphase kommen, mögliche Kursrückgänge des Aktienteils abfedern. Im Augenblick werden viele Anleger auf diese Wirkung gerne verzichten wollen - die Börsen boomen ja, RohstoffFonds verschlechtern derzeit nur die Performance des Gesamtportefeuilles. Aber auch die längste Hausse geht einmal zu Ende.
Das gilt allerdings auch für die Baisse bei vielen Rohstoffen. Experten der Deutschen Bank Research meinen zum Beispiel, daß bei Kupfer, Nickel und Zink die Preiseinbußen den tatsächlichen Rückgang der Nachfrage weit überzeichnen. In einem aktuellen "Anlage-Management" der Deutschen Bank, einer Informationsschrift für Anleger, wird die Meinung vertreten, ". . . daß die Marktpreise auf mittlere Sicht eher durch spekulative als durch fundamentale Einflüsse beeinflußt werden".
Vor dem Hintergrund einer allgemeinen Baisse an den Rohstoffmärkten haben sich die Rohstoff-Fonds schließlich gar nicht schlecht gehalten. Vor allem die Energie-Fonds konnten in den letzten 12 Monaten noch eine positive Bilanz vorlegen, so der CS Equity Fund Energy und der DWS Energiefonds. Aber auch das hat nicht in jedem Fall vor einer schlechten Performance geschützt: Orbitex Natural Resources zum Beispiel hat einen Depotschwerpunkt bei Ölwerten. Aber der Fonds setzte vor allem auf Ölexplorationswerte, die unter dem Preiseinbruch für Erdöl besonders leiden. Armin Löwe

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