ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/2012Brustimplantate: Betroffenen in Frankreich wird Explantation empfohlen

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Brustimplantate: Betroffenen in Frankreich wird Explantation empfohlen

Gerst, Thomas

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Export in alle Welt: Die Hülle der mit Billig-Silikon gefüllten Brustimplantate reißt angeblich schneller. Foto: dapd
Export in alle Welt: Die Hülle der mit Billig-Silikon gefüllten Brustimplantate reißt angeblich schneller. Foto: dapd

Etwa 30 000 Frauen in Frankreich, die Brustimplantate der Firma Poy Implant Prothèse (PIP) tragen, wird empfohlen, diese auf Kosten der Krankenkasse wieder entfernen zu lassen. Die Explantation wird als vorbeugende, aber nicht dringliche Maßnahme beschrieben. Bei Patientinnen, die die Implantate im Rahmen einer Rekonstruktion der Brust erhielten, muss die Krankenkasse auch den Austausch gegen ein neues Implantat zahlen.

Bei einer ästhetischen Indikation müssen die Frauen die Kosten für das neue Implantat selbst tragen, teilte der Gesundheitsminister Xavier Bertrand mit. Grundlage ist ein Gutachten dreier Gesundheitsinstitute vom 22. Dezember 2011: Danach lässt sich zwar ein kausaler Zusammenhang mit den acht beobachteten Krebserkrankungen, insbesondere einem Fall eines anaplastischen großzelligen Lymphoms, derzeit noch nicht herstellen. Allein die hohe Rate von Rupturen und Defekten des implantierten Materials rechtfertige aber das Vorgehen.

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Die 2010 aufgelöste Firma PIP hatte weltweit Hunderttausende mit einem Billig-Silikon gefüllte Brustimplantate verkauft. Auch Frauen in Deutschland tragen die Brusteinlagen, genaue Zahlen sind allerdings nicht bekannt. Die deutschen Behörden empfehlen auch nicht pauschal, sich die Implantate entfernen zu lassen. Die Gefahr einer Ruptur des Materials wird unterschiedlich bewertet. TG

Kommentare

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Avatar #110206
kairoprax
am Donnerstag, 26. Januar 2012, 13:04

ein Fall für das Bundesinstitut für Risikobewertung?

Sehr geehrter Herr Gerst,

vor ein paar Tagen kam eine 54-jährige Frau zu mir mit Brustimplantaten seit etwa 10 Jahren. Hersteller unbekannt, aber aus Silikon. Was soll ich der Frau raten?

1. Silikonimplantate gelten generell als potentiell krebserregend - aber in wie vielen Prozent der Fälle weiß ich nicht. Im konkreten Fall lief alles 10 Jahre lang komplikationsfrei, und auch der Tastbefund war unauffällig.

2. Ich habe keine Ahnung, um wieviel gefährlicher die PIP-Präparate sind. Bewegt sich das Zusatzrisiko im Zehntelpromill- oder im Prozentbereich?

3. Jede Operation, also auch das Entfernen der Implantate, ist mit einem Risiko im ein- bis zweistelligen Prozentbereich behaftet.

Das erste Ergebnis unseres Gesprächs war folglich, nichts übers Knie zu brechen und nicht eventuell zur Vermeidung eines Risikos ein noch höheres eingehen.
Ob es keine staatliche Stelle gebe, die einem verbindlich weiterheklfen könnte in der Risikoabwägung hat mich veranlaßt, der Frau die Adresse des Bundesinstituts für Risikobewertung zu geben.

Max-Dohrn-Str. 8-10
10589 Berlin
Telefon: 030 1 8412-0
E-Mail: pressestelle@bfr.bund.de

Ich glaube, hier kommt man nur noch mit Statistik weiter. Deswegen, herzlichen Dank für diesen Beitrag!

Ihr
Karlheinz Baywer, Bad Peterstal
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