ArchivDeutsches Ärzteblatt16/1996Nachweis von Chlamydien jetzt auch im Urin

POLITIK: Medizinreport

Nachweis von Chlamydien jetzt auch im Urin

EB

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LNSLNS Mit der Ligase-Kettenreaktion (LCR) können urogenitale Chlamydieninfektionen frühzeitig und mit einer hohen Sensitivität von deutlich über 90 Prozent jetzt auch im Urin erfaßt werden. Die Früherkennung der häufig asymptomatisch verlaufenden Infektion ist um so wichtiger, da sich die Erreger bei fünf bis zehn Prozent der jungen, sexuell aktiven Erwachsenen nachweisen lassen. Mit 300 000 Chlamydia-trachomatisNeuinfektionen pro Jahr ist die urogenitale Erkrankung inzwischen etwa 50mal häufiger als die Gonorrhö. Außerdem werden 20 000 Neugeborene pro Jahr während der Geburt infiziert.
Die LCR-Diagnostik ist eine Methode der Gen-Amplifikation. Sie beruht auf einer Kettenreaktion, mit deren Hilfe die gesuchte Chlamydien-DNA in kurzer Zeit millionenfach vervielfacht werden kann, auch wenn in der Patientenprobe nur ein einziges der gesuchten Bakterien vorliegt. Die Bestimmung dauert für 24 Proben etwa drei bis vier Stunden. Mit der Möglichkeit, Chlamydien auch im Urin testen zu können, entfällt der schmerzhafte Urethralabstrich beim Mann sowie die Abhängigkeit der Abstrichentnahme vom weiblichen Zyklus. Im Rahmen einer LCR-Multicenter-Screening-Studie zur Chla-mydieninfektion mit Urinproben von 2 668 asymptomatischen Frauen und Männern im Alter von 16 bis 65 Jahren fand Prof. Eiko Petersen (Universitätsfrauenklinik Freiburg) die höchste Prävalenz mit 5,8 Prozent bei jungen Frauen zwischen 20 und 25 Jahren. Auch bei Männern ist das jugendliche Gewebe empfänglicher für diesen Erreger. Bei vielen mikrobiologischen Fragestellungen ist die LCR zwar nur als diagnostische Ergänzung zu sehen, bei der Chlamydieninfektion jedoch kann sie einen hohen Stellenwert erreichen. EB

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