ArchivDeutsches Ärzteblatt PP1/2012Ausblick auf 2012: Den Bedarf richtig planen

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Ausblick auf 2012: Den Bedarf richtig planen

Bühring, Petra

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Die Auswirkungen des GKV-Versorgungsstrukturgesetzes (VStG), das am 1. Januar in Kraft getreten ist, begleiten Ärzte und Psychologische Psychotherapeuten in das neue Jahr. Das Gesetz wurde auf den Weg gebracht, um die Versorgung zu verbessern. Psychotherapeuten können inzwischen froh sein, wenn sich die Versorgung psychisch Kranker nicht verschlechtert, die Wartezeiten auf einen Therapieplatz nicht noch länger werden, als sie ohnehin sind.

Während des Gesetzgebungsprozesses befürchteten vor allem die Psychotherapeutenkammern, dass die Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) in theoretisch überversorgten Gebieten Psychotherapeutensitze aufkaufen könnten. Diese Sorge wird zwar nicht genommen, aber immer unwahrscheinlicher. Denn eine neue Regelung im VStG sieht nun eine vorgeschaltete Bedarfsprüfung durch den Zulassungsausschuss vor, in dem Vertreter von Ärzten und Krankenkassen sitzen. Der Ausschuss kann die Nachbesetzung bei Praxisaufgabe in einem überversorgten Gebiet allerdings ablehnen. Ausnahmen müssen in jedem Fall gemacht werden, wenn die Praxis vom Ehegatten, Lebenspartner oder dem Kind des bisherigen Praxisinhabers übernommen werden soll. Ausdrücklich neu regelt das VStG auch, dass die KVen eine „angemessene und zeitnahe“ Versorgung sicherstellen müssen. Für angemessen hält die Bundespsychotherapeutenkammer eine Wartezeit von maximal drei Wochen auf ein Erstgespräch. Derzeit warten Patienten im Durchschnitt drei Monate.

In diesem Jahr werden auf keinen Fall Psychotherapeutensitze stillgelegt, weil die neuen Regelungen erst ab 2013 in Kraft treten, wenn eine präzisere Bedarfsplanung vorliegen wird. Der Gemeinsame Bundesausschuss soll bis Mitte 2012 ein Konzept für eine neue Bedarfsplanungs-Richtlinie vorlegen. Das Versorgungsstrukturgesetz legt fest, dass künftig die Verhältniszahlen zwischen Einwohnern und Psychotherapeutenpraxen aufgrund „sachgerechter Kriterien“ festgelegt werden sollen, wie zum Beispiel der „demografischen Entwicklung“. Die Planungsbereiche sollen sich nicht mehr an den Landkreisen orientieren, sondern so zugeschnitten werden, dass eine flächendeckende Versorgung sichergestellt ist. Auf Landesebene können KVen und Krankenkassen auch von der Bedarfsplanungs-Richtlinie abweichen und regionale Besonderheiten, wie Morbidität und Demografie berücksichtigen. Die Landesbehörden erhalten in den Landesausschüssen neuerdings ein Mitberatungsrecht. Zulassungen können zudem künftig auch befristet vergeben werden.

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Soweit die Vorgaben des Versorgungsstrukturgesetzes. Konkrete Konzepte zur Bedarfsplanung gibt es bisher einzig von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV). Der Vorstandsvorsitzende Dr. med. Andreas Köhler stellt das Konzept auf Seite 13 vor. Das Konzept sieht im wesentlichen vor, neue Planungsgruppen zuzuschneiden, die nach hausärztlicher Versorgung, wohnortnaher fachärztlicher Versorgung und Sonderbereichen der fachärztlichen Versorgung aufgeteilt werden.

Die Psychotherapeuten dürfen bei den anstehenden Diskussionen zur Bedarfsplanung im Gemeinsamen Bundesausschuss nicht aufhören, die Besonderheiten ihrer Arztgruppe zu verdeutlichen.

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