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Psychotherapeuten in Ausbildung: Der Reformdruck wächst

Bühring, Petra

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Auf dem Weg zum Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium in Berlin. Angehende Psychotherapeuten nehmen unbezahlte Arbeit in Kliniken nicht mehr länger hin. Foto: Holger Groß
Auf dem Weg zum Bundes­gesundheits­ministerium in Berlin. Angehende Psycho­therapeuten nehmen unbezahlte Arbeit in Kliniken nicht mehr länger hin. Foto: Holger Groß

Bundesweit demonstrierten angehende Psycho­therapeuten gegen die fehlende oder nur geringfügige Vergütung während ihres Praxisjahres an psychiatrischen Kliniken. Dies zu ändern, bedarf es einer umfassenden Reform der Ausbildung.

Obwohl die Bundes­psycho­therapeuten­kammer Ende vergangenen Jahres ein Konzept zur Reform der Psycho­therapeuten­ausbildung vorgelegt hat, ist das Bundes­gesund­heits­ministerium bisher nicht aktiv geworden, um die Reform voranzubringen. Dies drängt jedoch mehr denn je, denn immer mehr Bundesländer lassen Bachelor­absolventen zur Ausbildung zum Kinder- und Jugendlichen­psycho­therapeuten (KJP) zu, weil bundesweit gültige Mindest­anforderungen bei den Zugangs­qualifikationen fehlen. Langfristig senkt dies das Qualifikationsniveau in der Kinder- und Jugendlichen­psycho­therapie.

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Ein Ausbildungs­reform­gesetz ist auch notwendig, um die finanzielle Misere der Psycho­therapeuten in Ausbildung (PiA) während des Praxisjahres an vielen psychiatrischen und psychosomatischen Kliniken zu beenden. 36 Prozent der PiA erhalten dabei gar keine Vergütung. Der jüngste Deutsche Psychotherapeutentag in Offenbach forderte, vergütungsfähige Leistungen als obligatorischen Bestandteil der Ausbildung in den Kliniken verbindlich einzuführen, um diesen Missstand zu beenden. Anfang Dezember demonstrierten die angehenden Psychotherapeuten in Berlin, Frankfurt/Main, Hannover und Köln, um nach vielen Jahren der Genügsamkeit auf ihre schwierige Situation aufmerksam zu machen.

„Wir haben ein Hochschulstudium abgeschlossen und erhalten während der praktischen Tätigkeit sehr wenig oder gar keine Entlohnung. Dabei leisten wir vollwertige und qualifizierte Arbeit“, kritisierte bei der Demonstration in Berlin der Sprecher der Bundeskonferenz PiA, Dipl.-Psych. Robin Siegel. Bundesweit befinden sich etwa 13 000 Hochschulabsolventen in der Ausbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten oder KJP an privaten Ausbildungsinstituten.

Verantwortungsvolle Arbeit

Gerade auch angesichts des zunehmenden Bedarfs psychotherapeutischer Versorgung „ist es völlig unverständlich, dass vonseiten der Politik keine verbindlichen und angemessenen Regelungen geschaffen werden“, erklärte die stellvertretende Bundesvorsitzende der Deutschen Psychotherapeutenvereinigung, Barbara Lubisch, die die Proteste der PiA unterstützt. Ohne angemessene Vergütung könnten sich die PiA ihrer verantwortungsvollen Arbeit nicht vollständig widmen, sondern müssten mit anderer Erwerbstätigkeit ihren Unterhalt sichern, kritisierte Gerd Dielmann von der Gewerkschaft Verdi: „Das ist unhaltbar.“

Gesetzliche Grauzone

Der Gesetzgeber hat mit dem Psychotherapeutengesetz 1999 die Berufsbezeichnung gesetzlich geschützt und die Einbeziehung der Psychotherapie in das GKV-System geregelt. Hinsichtlich der Ausbildung wurde aber vieles nicht eindeutig festgelegt, sondern in einer gesetzlichen Grauzone belassen (siehe auch PP, Heft 10/2011). „Das wird von Kliniken und Ausbildungsinstituten ausgenützt“, sagte Lubisch.

Robin Siegel erläuterte, dass die jungen Psychotherapeuten zu hochspezialisierten Aufgaben wie Befunderhebung, Indikationsstellung, Therapieplanung sowie eigenständigen Einzel- und Gruppentherapien herangezogen würden. Seiner Ansicht nach ist die Tätigkeit von PiA mit der von Assistenzärzten in der Weiterbildung vergleichbar. „Eine Vergütung wie im Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst in Entgeltgruppe 13 TVöD festgelegt, sollte selbstverständlich sein“, forderte Siegel. Die PiA fordern deshalb deutliche Veränderungen und eindeutige rechtliche Regelungen für Status und Vergütung.

Der Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter hat beim jüngsten Psychotherapeutentag immerhin versprochen, die Novellierung der Ausbildung noch in dieser Legislaturperiode durchführen zu wollen.

Petra Bühring

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