ArchivDeutsches Ärzteblatt PP1/2012G-BA und Qualitätssicherung: Immer größeres Aufgabenspektrum

POLITIK

G-BA und Qualitätssicherung: Immer größeres Aufgabenspektrum

PP 11, Ausgabe Januar 2012, Seite 20

Gerst, Thomas

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Eine Konferenz des Gemeinsamen Bundes­aus­schusses zeigte die Vielfalt der Qualitätssicherungsbemühungen – und den normgebenden Einfluss des Gremiums.

Während hinter den Kulissen intensiv über die im nächsten Jahr fällige Neubesetzung des wohl wichtigsten Postens im deutschen Gesundheitswesen – den des Unparteiischen Vorsitzenden des Gemeinsamen Bundes­aus­schusses (G-BA) – verhandelt wird, gibt es vordergründig „business as usual“. In Berlin kamen am 28. November etwa 500 Teilnehmer zur 3. Qualitätssicherungskonferenz des G-BA zusammen, um sich über Entwicklungen und neue Projekte bei der Qualitätssicherung auf den unterschiedlichsten Ebenen und aus den unterschiedlichsten Perspektiven zu orientieren.

Eingangs konnten die Konferenzteilnehmer von der zuständigen Referatsleiterin im Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium, Dr. med. Hiltrud Kastenholz, die Zusicherung entgegennehmen, dass „auch in Zukunft weitere Aufgaben der Qualitätssicherung an den G-BA übertragen werden“. Als Beispiel nannte sie die Erarbeitung konkreterer Vorgaben zum Fehlermanagement. Kastenholz überbrachte Komplimente ihres Ministeriums für die Arbeit des G-BA: Das Selbstverwaltungsgremium nutze seinen Spielraum in der Qualitätssicherung in verantwortungsvoller Weise. Sie wies aber auch auf die mitunter langen und mühseligen Diskussionen bei strittigen Sachfragen hin.

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Transparenz oder Verwirrung?

Vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussion um die Krankenhaushygiene betonte sie die Bedeutung der Qualitätssicherungsverfahren zur Vermeidung nosokomialer Infektionen, mit deren Entwicklung vor kurzem das AQUA-Institut vom G-BA beauftragt wurde. Diese sollen künftig dazu beitragen, sowohl Wundinfektionen nach stationär oder ambulant erfolgten Operationen als auch Gefäßkatheter-assoziierte Infektionen möglichst zu vermeiden.

Warum es gelegentlich etwas länger dauern kann, bis im Gemeinsamen Bundes­aus­schuss in wichtigen Versorgungsangelegenheiten entschieden wird, wurde beim anschließenden Pressegespräch deutlich. Thema waren hier insbesondere die von den Krankenhäusern vorzulegenden Qualitätsberichte. Diese müssen nach einem Beschluss des G-BA vom Juni 2011 künftig aus 25 Leistungsbereichen bis zu 182 statt wie zuvor bis zu 28 Indikatoren darstellen. „Die in diesem Jahr beschlossene deutliche Erweiterung der Qualitätsdarstellung mittels Indikatoren verfolgt das Ziel, die Information und Transparenz von medizinischer Behandlungsqualität weiter zu erhöhen“, sagte dazu Dr. Josef Siebig, unparteiisches Mitglied im G-BA und Vorsitzender des Unterausschusses Qualitätssicherung.

„Die Qualitätsberichte sind eine Erfolgsgeschichte. Wir wissen wesentlich mehr als vor zehn Jahren über das Krankheitsgeschehen“, hob Dr. Wulf-Dietrich Leber, Abteilungsleiter Krankenhäuser des GKV-Spitzenverbands, hervor. Zuvor habe es keine Möglichkeit gegeben, sich zuverlässig über die Qualität in den Krankenhäusern zu informieren. In den nunmehr vorzulegenden Qualitätsberichten müsse auch nicht alles laienverständlich sein, meinte Leber, denn zu den Nutzern gehörten schließlich auch Ärzte oder Krankenhäuser, deren Patienten verlegt werden müssen.

Dr. med. Bernd Metzinger, Geschäftsführer Personal und Krankenhausorganisation der Deutschen Krankenhausgesellschaft, merkte dagegen an, dass die 182 Indikatoren zwar einerseits zu sehr viel Transparenz führen könnten, dass aber damit die Gefahr einhergehe, „dass sich durch diese große Zahl niemand mehr so richtig durchfinde“. Man müsse sich überlegen, wie man das Ganze richtig darstellt, damit nicht ein Zuviel an Informationen eine noch größere Verwirrung nach sich ziehe. Gleichwohl sei die mit den Qualitätsberichten erzielte Transparenz über die Qualität in den einzelnen Leistungsbereichen einmalig, „und wir würden uns auch freuen“ – so der kleine Seitenhieb in Richtung Vertragsärzte – „über mehr Transparenz der Qualität im niedergelassenen Bereich“.

Viele Qualitätsvereinbarungen

Dies konnte Dr. med. Franziska Diel, als Dezernentin bei der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) zuständig für Qualitätssicherung, nicht unwidersprochen lassen. „Im ambulanten Bereich haben wir bereits seit langem vielfältige Qualitätsvereinbarungen.“ KBV und Kassenärztliche Vereinigungen seien dort mit großem Engagement tätig. „Es ist immer schon Teil unseres Selbstverständnisses gewesen, uns um Qualitätssicherung zu kümmern.“ Es sei durchaus nichts Ungewöhnliches, dass einem Vertragsarzt bei fehlendem Qualitätsnachweis die Abrechnung bestimmter Leistungen nicht mehr möglich sei. „Ziel von Qualitätssicherung kann es doch nicht sein“, hielt Metzinger dagegen, „schlechte Leistungserbringer aus dem System zu werfen“, sondern es gehe darum, Hilfe anzubieten, um besser zu werden. Aber zumindest sollte – so wiederum Diel – ein Mindeststandard definiert werden, der erreicht werden muss, um eine bestimmte Leistung erbringen zu dürfen.

Thomas Gerst

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