ArchivDeutsches Ärzteblatt PP1/2012Exzessives Nägelkauen: Neue verhaltenstherapeutische Technik

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Exzessives Nägelkauen: Neue verhaltenstherapeutische Technik

PP 11, Ausgabe Januar 2012, Seite 35

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Nägelkauen geschieht oft unbewusst und automatisch und ist daher schlecht in den Griff zu bekommen. Deutsche und Schweizer Neuropsychologen um Prof. Dr. Steffen Moritz vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf haben jetzt eine verhaltenstherapeutische Technik gegen exzessives Nägelkauen entwickelt, die mit Entkopplung arbeitet. Dabei wird dem Impuls, die Hand zum Mund zu führen, zunächst nachgegeben. Dann aber wird das ursprüngliche Verhalten (Nägelkauen) nicht ausgeführt, sondern durch ein alternatives ersetzt. Beispielsweise wird die Hand nicht in den Mund, sondern an die Nase oder ans Ohr geführt. Das Fehlverhalten wird auf diese Weise umgelenkt (entkoppelt), allmählich verlernt und durch ein unschädliches Verhalten ersetzt. Ob diese Methode wirksamer ist als herkömmliche Verfahren wie zum Beispiel progressive Muskelentspannung, überprüften die Wissenschaftler mit Hilfe eines Selbsthilfemanuals zur Entkopplung, das sie 36 exzessiven Nägelkauern zur Verfügung stellten. Als Vergleichsgruppe dienten 36 Nägelkauer, die progressive Muskelentspannung durchführten. Nach vier Wochen zeigten sich bei Teilnehmern, die die Entkopplungsübungen gewissenhaft durchgeführt hatten, signifikante Effekte im Vergleich zur Kontrollgruppe. „Sie hatten deutlich seltener den Drang, die Hand zum Mund zu führen und an den Nägeln zu kauen“, schreiben die Autoren. Als positive Nebeneffekte ergaben sich zudem schönere und längere Fingernägel. Die Methode wirkt auch bei Trichotillomanie. ms

Moritz S, Treszl A, Rufer M: A randomized controlled trial of a novel self-help technique for impulse control disorders: A study on nail-biting. Behavior Modification 2011; 35(5): 468–85.
Prof. Dr. Steffen Moritz, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Martinistraße 52, 20246 Hamburg, moritz @uke.uni-hamburg.de

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