ArchivDeutsches Ärzteblatt3/2012Schlussfolgerungen nicht konkludent
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Die Inanspruchnahme und Ergebnisse der Jugenduntersuchungen zu ermitteln ist wichtig. Die gezogenen Schlussfolgerungen sind nicht konkludent.

Die Nutzung der J1 ist abhängig von der:

  •  Vorstellungshäufigkeit der jugendlichen Patienten Nach Untersuchungen von GSK sind zum Beispiel 12- bis 14-jährige Mädchen pro Jahr nur 1,3-mal beim Arzt vorstellig. Wenn in den Wintermonaten dann beim akuten Infekt auf die J1 hingewiesen wird, verblasst diese Empfehlung rasch.
  • Einstellung der Eltern

In meiner Praxis sehe ich entweder die Jugendlichen mit „den besten Risiken“, also zum Beispiel gesunde Kinder intakter Elternhäuser mit guter schulischer und sozialer Integration. Diese Patienten sind zum Teil länger in der Praxis bekannt. Hier sind auffällige Befunde selten. Oder aber es liegen bereits andere Probleme vor, deren weitere Besprechung im Rahmen der J1 erfolgen können (Migräne, Asthma etc.). Diejenigen, mit denen man unbedingt diese Vorsorge machen müsste, haben wenig Interesse daran. Hierzu zählen zum Beispiel Jugendliche aus prekärem häuslichen Umfeld; mit extremem Medienkonsum; Alkohol-, Nikotin-, oder Drogenerfahrung; frühem Sexualverhalten; bereits bekannten Vorerkrankungen wie Adiposita und deren Folgeerscheinungen oder auch schlecht therapierten Erkrankungen wie Asthma oder Neurodermitis. In den vorliegenden Daten, die die Autoren untersucht haben, waren dann auch Jugendliche zum Beispiel mit bestehender Adipositas oder Nikotinabusus unterrepräsentiert.

  • Abrechnungsmöglichkeiten der Jugenduntersuchung

Die J1 wird für 13- und 14-Jährige finanziert. Von der KV Berlin wird die J1 bei 15-Jährigen gestrichen. Da die körperliche und geistige Entwicklung durchaus unterschiedlich verläuft, wäre es sehr sinnvoll, diese Jugenduntersuchung mit 15 oder 16 Jahren zuzulassen. Nicht mit jedem 14-jährigen Knaben macht es Sinn, über Alkohol, Drogen, Sex und Verhütung zu sprechen. Ist er 16 Jahre alt, dann aber schon.

  • Zeitliche Möglichkeiten der Praxis

Im 1. Quartal 2011 wurden in meiner Praxis 1 450 Patienten circa 3 100-mal vorstellig. Es wurden 255 Vorsorgeuntersuchungen U2 bis U9 durchgeführt. Im Rahmen der Praxisöffnungszeit ergibt sich eine Konsultationszeit über alle Besuche von 5:07 min. 

Ich mache sehr gern Jugenduntersuchungen, die Praxisrealität lässt aber wenig freie Kapazitäten zu.

DOI: 10.3238/arztebl.2012.0046a

Dr. med. Dipl.-Biol. Steffen Lüder

Berlin-Hohenschönhausen

steffen_lueder@hotmail.com

Interessenkonflikt

Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Hagen B, Strauch S: The J1 adolescent health check-up: analysis of data from the German KiGGS survey. Dtsch Arztebl Int 2011; 108(11): 180–6. VOLLTEXT
1.Hagen B, Strauch S: The J1 adolescent health check-up: analysis of data from the German KiGGS survey. Dtsch Arztebl Int 2011; 108(11): 180–6. VOLLTEXT

Kommentare

Die Kommentarfunktion steht zur Zeit nicht zur Verfügung.

Der klinische Schnappschuss

Stellenangebote