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Zutreffenderweise bezeichnet Kollege Hommer die Otitis media im jugendlichen Alter als Rarität. Die Daten der KiGGS-Studie beruhen auf Befragungen von Patienten beziehungsweise deren Eltern (1). Ärztliche Unterlagen oder Abrechnungsdaten liegen der Studie nicht zugrunde, eine Falschkodierung (von Hausärzten) als Fehlerquelle ist somit unmöglich. Bei der Befragung von zum Beispiel 14-Jährigen wird ohne Angabe des Zeitpunktes erfasst, ob eine bestimmte Diagnose in den vergangenen 14 Lebensjahren aufgetreten ist. Bei der besonderen Häufigkeit der Otitis media im Säuglings- und Kleinkindalter (2) ist die Angabe, dass im Alter von 14 Jahren über die Hälfte der Befragten in ihrem bisherigen Leben schon einmal (oder mehrfach) eine Otitis media hatten, keinesfalls überraschend und korreliert gut mit der alltäglichen Praxiserfahrung. Es handelt sich bei der Häufigkeitsangabe also nicht um eine Komorbidität mit der J1. Sofern unsere Darstellung nicht eindeutig genug diese Angaben zu Krankheitshäufigkeiten als „kumulative“ Größen ausweist, bitten wir um Nachsicht und danken für die Möglichkeit, dies klarzustellen.

Dem Kollegen Lüder ist sicherlich zuzustimmen, dass teilweise „die Falschen“ zur Vorsorge gehen. Gerade Jugendliche mit besonderen Risikofaktoren, wie beispielsweise Rauchen oder dem Konsum harter Drogen, werden nur selten an der J1 teilnehmen. Die Einsicht in den Nutzen präventiver Maßnahmen und eine gesundheitsbewusste Lebensführung verhalten sich – salopp gesagt – vermutlich umgekehrt proportional zueinander. So wurde auch an anderer Stelle bereits festgestellt, dass sich Kinder und Jugendliche aus Familien mit niedrigem Sozialstatus oder Migrationshintergrund seltener an den Früherkennungsuntersuchungen U3 bis U9 beteiligen (3). Der prägende Einfluss der Eltern trägt in besonderer Weise hierzu bei. Umso wichtiger erscheint es uns, von ärztlicher Seite auf den Nutzen der J1 hinzuweisen, um möglichst viele Jugendliche zu untersuchen und die in der Arbeit aufgedeckten, versteckten gesundheitlichen Probleme zu erfassen. Es wäre geradezu fatal, wenn auch auf ärztlicher Seite Hindernisse bei der Durchführung der J1 bestehen. Die Anregung des Kollegen Lüder, auch 15- bis 16-Jährigen eine Vorsorge anzubieten, findet unsere volle Zustimmung. Die leider nur von einigen wenigen Krankenkassen honorierte, neu eingeführte J2 (ab 16 Jahren) ist diesbezüglich ein positiver Ansatz.

Es bleibt zu hoffen, dass diese weitere Vorsorge baldmöglichst in den Leistungskatalog aller gesetzlichen Krankenkassen aufgenommen wird. Die KiGGS-Daten geben zu Fragen der Honorierung und der Praxisorganisation keinerlei Auskünfte, hierzu wurden von uns auch keine Aussagen gemacht. Dementsprechend bietet die vorgelegte Arbeit auch keine Diskussionsgrundlage dieser Thematik.

DOI: 10.3238/arztebl.2012.0046c

Dr. phil. Bernd Hagen

Zentralinstitut für die Kassenärztliche Versorgung, Köln

bhagen@kbv.de

Dr. med. Stefan Strauch

Münster

Interessenkonflikt

Dr. Hagen erklärt, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Dr. Strauch erhielt Honorare für Beratertätigkeiten und Erstattung von Reise- und Übernachtungskosten von Wyeth Pharma. Des Weiteren erhielt er Honorare für die Durchführung von Impfstudien von Wyeth und GSK.

1.
Kurth BM: Der Kinder- und Jugendgesundheitssurvey (KiGGS): Ein Überblick über Planung, Durchführung und Ergebnisse unter Berücksichtigung von Aspekten eines Qualitätsmanagements. Bundesgesundheitsbl, Gesundheitsforsch, Gesundheitsschutz 2007; 50(5/6): 533–46. CrossRef MEDLINE
2.
Schnabel E, Sausenthaler S, Brockow I, et al. for the LISA Study Group: Burden of otitis media and pneumonia in children up to 6
years of age: Results of the LISA birth cohort. Eur J Pediatr 2009; 168(10): 1251–7. CrossRef MEDLINE
3.
Kamtsiuris P, Bergmann E, Rattay P, Schlaud M: Inanspruchnahme medizinischer Leistungen. Ergebnisse des Kinder- und Jugendgesundheitssurveys (KiGGS). Bundesgesundheitsbl, Gesundheitsforsch, Gesundheitsschutz 2007; 50(5/6): 836–50. CrossRef MEDLINE
4.
Hagen B, Strauch S: The J1 adolescent health check-up:analysis of data from the German KiGGS survey. Dtsch Arztebl Int 2011; 108(11): 180–6.
VOLLTEXT
1. Kurth BM: Der Kinder- und Jugendgesundheitssurvey (KiGGS): Ein Überblick über Planung, Durchführung und Ergebnisse unter Berücksichtigung von Aspekten eines Qualitätsmanagements. Bundesgesundheitsbl, Gesundheitsforsch, Gesundheitsschutz 2007; 50(5/6): 533–46. CrossRef MEDLINE
2. Schnabel E, Sausenthaler S, Brockow I, et al. for the LISA Study Group: Burden of otitis media and pneumonia in children up to 6
years of age: Results of the LISA birth cohort. Eur J Pediatr 2009; 168(10): 1251–7. CrossRef MEDLINE
3.Kamtsiuris P, Bergmann E, Rattay P, Schlaud M: Inanspruchnahme medizinischer Leistungen. Ergebnisse des Kinder- und Jugendgesundheitssurveys (KiGGS). Bundesgesundheitsbl, Gesundheitsforsch, Gesundheitsschutz 2007; 50(5/6): 836–50. CrossRef MEDLINE
4.Hagen B, Strauch S: The J1 adolescent health check-up:analysis of data from the German KiGGS survey. Dtsch Arztebl Int 2011; 108(11): 180–6.
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