ArchivDeutsches Ärzteblatt3/2012Durchtrennter Sehnerv: Seidenfasern als Gerüst

MEDIZINREPORT

Durchtrennter Sehnerv: Seidenfasern als Gerüst

Dtsch Arztebl 2012; 109(3): A-91 / B-83 / C-83

Zylka-Menhorn, Vera

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Biomaterial ermöglicht regeneratives Wachstum in Zellkulturen.

Wird der Sehnerv durchtrennt, erblinden die Betroffenen bisher unabwendbar. Gemeinsam mit Wissenschaftlern aus den USA und Frankreich haben Forscher der Universitätsaugenklinik Leipzig nun ein Material entwickelt, das verletzten Nerven zum Wachstum verhelfen könnte: elektrisch gesponnene Seidenfasern, nur wenige Millionstel Millimeter dick. Insbesondere wenn sie mit Wachstumsfaktoren versehen werden, so Prof. Dr. med. Thomas Claudepierre und Kollegen (Advanced Functional Materials 2011; 21: 4232–4242).

Für ihre Versuche nutzten die Forscher Zellkulturen von Netzhautnervenzellen der Ratte, die sie – um die Zerstörung des Nervs zu simulieren – in ein schädigendes Medium setzten. Wie sich zeigte, konnten die Zellen trotz der widrigen Bedingungen an parallel angeordneten Seidenfäden auf einem Deckgläschen entlang wachsen. Die Ausläufer von Nervenzellen, die an diesen speziell funktionalisierten Seidenfäden wuchsen, erzielten im Vergleich zu den Versuchen mit „normalen“ Seidenfäden die zwei- bis dreifache Länge.

Zum elektrischen Spinnen von Seidenfäden wird eine Flüssigkeit mit dem Seidenprotein „Fibroin“ in eine Spritze geladen und durch das Anlegen einer starken Spannung elektrostatisch aufgeladen. Anschließend wird die Flüssigkeit als feiner Strahl zu einer negativ geladenen, rotierenden Kollektorspule geleitet. Um den Seidenfaden in paralleler Anordnung „einzufangen“, befestigten die Wissenschaftler auf der Spule kleine Deckgläschen. „Unser Ziel ist die Entwicklung eines 3-D-Gerüsts, das an der Stelle einer Nervenschädigung implantiert wird“, erklärt Claudepierre. zyl

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