ArchivDeutsches Ärzteblatt3/2012Endoprothesen: Mit Sicherheit mehr Qualität
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Seit Jahrzehnten wird diskutiert, seit Jahrzehnten ist wenig passiert: Auf Initiative der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC) haben sich Ende 2010 maßgebliche Beteiligte des Gesundheitswesens über bisher sorgsam getrennte Bereichsgrenzen hinweg zusammengeschlossen, um endlich auch in Deutschland ein flächendeckendes Endoprothesenregister auf den Weg zu bringen. Neben der DGOOC gehören der AOK-Bundesverband, der Verband der Ersatzkassen, der Bundesverband Medizintechnologie (Implantathersteller) und das BQSInstitut für Qualität und Patientensicherheit zu den Projektpartnern beim Endoprothesenregister Deutschland (EPRD). Die Projektpartner sind offen für weitere Beteiligte, etwa weitere Krankenkassen-Verbände. Dieses in Deutschland und mit seiner Infrastruktur auch in der Welt einmalige Projekt wurde bei zahlreichen Anlässen der Öffentlichkeit vorgestellt (so auch im DÄ) . . . Es erstaunt daher sehr, dass die Autoren Schnabel und Borelli über diese Entwicklung offenbar nicht informiert sind.

Der Gemeinsame Bundesausschuss hat den Aufbau des EPRD inzwischen ausdrücklich begrüßt: Die freiwillige Qualitätssicherung durch das EPRD ergänzt die gesetzliche Qualitätssicherung, sie konkurriert nicht mit ihr. Die gemeinnützige EPRD GmbH ist eine 100-prozentige Tochter der DGOOC und damit ausschließlich wissenschaftlichen Grundsätzen verpflichtet, auch und gerade in puncto Unabhängigkeit und Neutralität der Auswertungen. Das EPRD legt größten Wert auf Verfahrenstransparenz und stellt die gewonnenen Daten nicht nur den teilnehmenden Kliniken und Herstellern, sondern in Form von Jahresberichten auch der allgemeinen Öffentlichkeit zur Verfügung. Darüber hinaus ist ausdrücklich vorgesehen, die Datensätze auch zu Forschungszwecken auszuwerten.

Um die Praktikabilität bei der großen Zahl von Operationen zu gewährleisten und den Aufwand für eine zusätzliche Datenerhebung auf ein Minimum zu reduzieren, werden im EPRD Routine-Abrechnungsdaten unter Beachtung der datenschutzrechtlichen Vorgaben in die Auswertung einbezogen. Dafür wird auf die zentralisierten Datenflusswege der Kostenträger zurückgegriffen. Die eingebauten Prothesenkomponenten werden in den Kliniken mit ihren Produktbarcodes per Scanner erfasst. Hierfür haben die Hersteller in Deutschland für das EPRD eine weltweit einmalige Implantatdatenbank bereitgestellt. Bei eventuell auftretenden Fehlschlagserien ist dadurch mit Zustimmung der Patienten eine rasche Re-Identifikation der Betroffenen möglich – diesen entscheidenden Vorteil bietet bislang weltweit kein einziges gesetzlich normiertes Register! . . .

Bereits jetzt haben viele Kliniken und große Klinikketten ihr Interesse an einer Teilnahme bekundet, obwohl die Datenerhebung noch gar nicht begonnen hat. Aktuell hat das EPRD nach umfangreichen Vorarbeiten mit einer Testphase in fünf norddeutschen Kliniken begonnen. Ein wesentlicher Schwerpunkt besteht darüber hinaus zurzeit in der Öffentlichkeitsarbeit, um alle etwa 1 100 Kliniken, die in Deutschland künstliche Hüft- und Kniegelenke einbauen, zur Teilnahme zu gewinnen (www.eprd.de).

Prof. Dr. Joachim Hassenpflug, Geschäftsführer Endoprothesenregister Deutschland gGmbH, Direktor der Klinik für Orthopädie, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel, 24105 Kiel

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