ArchivDeutsches Ärzteblatt3/2012Migräne-Patientinnen: Differenzierte Auswahl des Kontrazeptivums

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Migräne-Patientinnen: Differenzierte Auswahl des Kontrazeptivums

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Für Migräne-Patientinnen ohne Aura werden östrogenfreie Präparate empfohlen.

Bei Frauen tritt Migräne häufig in zeitlichem Zusammenhang mit der Menstruation auf. Viele Patientinnen wissen allerdings nicht, dass sie die Beschwerden auch durch die Wahl ihrer Arzneimittel beeinflussen können: Kombinierte orale Kontrazeptiva können Migräneanfälle begünstigen, reine Gestagenpräparate aber zyklusabhängige Kopfschmerzen bessern.

Die Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) hat bereits vor zwei Jahren im Rahmen ihrer Leitlinien zur Familienplanung eine Empfehlung veröffentlicht (1), nach der Frauen mit Migräne ohne Aura mit einem reinen Gestagenpräparat verhüten sollten, um das Schlaganfallrisiko zu minimieren. Die WHO rät Patientinnen mit Aura grundsätzlich von einer hormonellen Kontrazeption ab. Reine Gestagenpillen können ohne wesentliche Einschränkungen verordnet werden, wenn die Patientin an einer Migräne ohne Aura leidet. Der Einsatz kombinierter Kontrazeptiva wird bei Patientinnen ohne Aura dagegen nicht empfohlen – vor allem dann nicht, wenn die Frau älter als 35 Jahre oder Raucherin ist.

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Nach Angaben der Deutschen Migräne- und Kopfschmerz-Gesellschaft leiden circa sieben Prozent aller Migräne-Patientinnen an menstrueller Migräne1, der Anteil an Frauen mit menstruationsassoziierter Migräne2 ist noch deutlich höher. In den meisten Fällen handelt es sich dabei um eine Migräne ohne Aura. Ursache von zyklusabhängigen Migräneanfällen scheinen die prämenstruell rasch abfallenden Östradiolspiegel zu sein.

Eine Aura manifestiert sich meist mit visuellen Symptomen (Flimmerskotome, Gesichtsfeldausfälle), seltener mit sensiblen Symptomen (Kribbeln, Taubheitsgefühle) oder Sprachstörungen. Von einer Migräne mit Aura kann ausgegangen werden, wenn die Symptome mindestens bei zwei Attacken aufgetreten sind, und zwar im Falle visueller oder sensibler Symptome auf derselben Seite wie der Kopfschmerz, wenn sie mindestens fünf und höchstens 60 Minuten angehalten haben und wenn der Kopfschmerz noch während der Aura oder maximal 60 Minuten danach begonnen hat. Migräneverdächtige Kopfschmerzen sollten vom Spezialisten abgeklärt werden.

Migränepatientinnen müssen daher hinsichtlich geeigneter Verhütungsmethoden differenzierter beraten werden als Patientinnen, bei denen die Kopfschmerzen andere Ursachen haben. Gynäkologen sollten jede Patientin nach wiederkehrenden Kopfschmerzen fragen, gegebenenfalls eruieren, ob es sich um eine Migräne handeln könnte, und die Patientin im Verdachtsfall zum Neurologen überweisen.

MSD bietet Frauenärzten jetzt zu diesem Zweck Patientenbroschüren an, die neben den wichtigsten Informationen rund um die menstruelle und menstruationsassoziierte Migräne auch einen Zyklus- und Kopfschmerzkalender enthalten, in dem drei Monate lang migränetypische Begleitsymptome wie Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Lärmempfindlichkeit vermerkt werden, um möglicherweise einen Zusammenhang zwischen der Regel und den Kopfschmerzen erkennen zu können. Interessierte Gynäkologen können die Broschüren bei ihrem MSD-Außendienstmitarbeiter bestellen. EB

1Menstruelle Migräne: Die Attacken treten immer im zeitlichen Zusammenhang mit der Regelblutung auf.

2Menstruationsasssoziierte Migräne: Die Attacken treten gehäuft im zeitlichen Zusammenhang mit der Regelblutung auf, es können aber auch Attacken in anderen Zyklusphasen auftreten.

Kurz informiert

Rote-Hand-Briefe zu

  • Uvadex™ Lösung – Ben Venue Laboratories empfiehlt, die Durchstechflaschen nachfolgender Arzneimittel vor der Anwendung visuell zu überprüfen, um Partikelverunreinigungen auszuschließen. Es handelt sich zum einen um Uvadex™ Lösung (Methoxsalen, Therakos), die in Verbindung mit Therakos® Cellex® oder Therakos® UVAR XTS® Photopherese-Systemen angewandt wird zur palliativen Behandlung von Hautmanifestationen bei fortgeschrittenem kutanen T-Zell-Lymphom.
  • Hexvix® Pulver und Lösungsmittel – Auch das intravesikale Diagnostikum Hexvix® (Hexaminolevulinat) von GE Healthcare Buchler soll vor Anwendung visuell überprüft werden, um Partikelverunreinigungen auszuschließen. Hexaminolevulinat wird eingesetzt bei der Diagnostik von Blasenkarzinomen wie Carcinoma in situ bei der Blaulicht-Fluoreszenz-Zystoskopie in Verbindung mit einer Standard-Weißlicht-Zystoskopie.
  • Virazole® (Ribavirin) – MEDA-Pharma informiert über Sterilitätsprobleme und Partikelverunreinigungen an der Herstellungsstätte seines Virustatikums Ribavirin. Das Unternehmen empfiehlt die Anwendung des Präparates nur, wenn sein Einsatz absolut essenziell ist. Es sollten nur Lösungen verabreicht werden, die frei von Partikeln sind und keine Trübung oder Färbung aufweisen. Eine zusätzliche Sterilfiltration der rekonstituierten Lösung wird empfohlen. Ribavirin ist zugelassen zur Behandlung von schweren Infektionen der unteren Atemwege, die durch das Respiratorische-Synzytial-Virus verursacht werden. EB
1.
World Health Organization: Medical eligibility criteria for contraceptive use. Fourth Edition, 2009. ISBN: 978 92 4 1563888.
http://whqlibdoc.who.int/publications/2010/9789241563888_eng.pdf
1.World Health Organization: Medical eligibility criteria for contraceptive use. Fourth Edition, 2009. ISBN: 978 92 4 1563888.
http://whqlibdoc.who.int/publications/2010/9789241563888_eng.pdf

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