ArchivDeutsches Ärzteblatt3/2012Randnotiz: Ist das der Wulff in uns?

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Randnotiz: Ist das der Wulff in uns?

Dtsch Arztebl 2012; 109(3): A-67 / B-63 / C-63

Korzilius, Heike

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Was haben Ärzte und der Bundespräsident gemeinsam? Beide sind gesuchte Gesprächspartner, denen man gerne einen Gefallen tut. Im Fall von Christian Wulff sprangen dabei ein günstiger Hauskredit, gesponserte Luxusurlaube und Luxusroben für die Gattin heraus. Die geballte Kritik an solcher „Nehmermentalität“ stößt bei Wulff auf Unverständnis. Er wolle nicht in einem Land Präsident sein, in dem man sich von Freunden kein Geld leihen könne, sagte er im Fernsehinterview mit ARD und ZDF. Dass man nicht mehr unabhängig ist, wenn man bei seinen Freunden mit 500 000 Euro in der Kreide steht oder in Urlaubsvillen residiert, die man sich selbst bei einem Präsidentengehalt nicht leisten kann, übersieht er dabei. Solche Großherzigkeit von Freunden verpflichtet – und sei es nur zu ewiger Dankbarkeit.

Und die Ärztinnen und Ärzte? Die bekommen regelmäßig Besuch von 15 000 Pharmareferenten, die meist etwas mitbringen: Kulis, Notizblöcke, Arzneimittelmuster. Fortbildungsveranstaltungen werden gesponsert, Einladungen zum Essen ausgesprochen, Reisekosten übernommen, die Teilnahme an Anwendungsbeobachtungen großzügig entlohnt. Das macht gewogen.

Doch wie der Bundespräsident empören sich auch viele Ärzte, wenn man ihnen unterstellt, sie seien in ihrem (Verschreibungs-)Verhalten nicht mehr unabhängig, wenn sie sich ständig beschenken lassen. Wenn auch die meisten zugeben müssten, dass die Industrie kaum in eine Armada von Pharmareferenten investieren würde, wenn sie sich davon nichts verspräche. Das Netzwerk MEZIS (Mein Essen zahl ich selbst) jedenfalls will Kolleginnen und Kollegen für dieses Problem sensibilisieren. Es zählt 295 Mitglieder.

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