ArchivDeutsches Ärzteblatt3/2012Kaiserin Friedrich-Stiftung: Das Haus der Fortbildung in Berlin

THEMEN DER ZEIT

Kaiserin Friedrich-Stiftung: Das Haus der Fortbildung in Berlin

Dtsch Arztebl 2012; 109(3): A-88 / B-74 / C-74

Gerst, Thomas

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Wiedereinsteiger und ausländische Stipendiaten – die Fortbildung jenseits des Mainstreams liegt der Geschäftsführerin der Stiftung, Dr. med. Gisela Albrecht, am Herzen. Aber zunächst muss sie sich um das Haus kümmern.

So sah im Jahr 1903 im Deutschen Kaiserreich der Startschuss für eine nationale Fortbildungseinrichtung der Ärzteschaft aus: „Seine Majestät der Kaiser und König haben Euerer Excellenz . . . mündlich zu erkennen gegeben, dass Allerhöchstdieselben mit lebhafter Freude den Plan begrüssen, als Mittel- und Stützpunkt für das ärztliche Fortbildungswesen ein eigenes Gebäude in Berlin zu errichten und dasselbe zu bleibendem Gedächtnis des segenreichen Wirkens weiland Ihrer Majestät der hochseligen Kaiserin und Königin Friedrich auf diesem Gebiete ,Kaiserin Friedrich-Haus für das ärztliche Fortbildungswesen‘ zu benennen.“ Mit dieser Mitteilung vom 6. März 1903 aus dem Zivil-Kabinett Wilhelms II. an den Vorsitzenden des Zentralkomitees für das ärztliche Fortbildungswesen in Preußen, Prof. Dr. med. Ernst von Bergmann, stand der Errichtung einer geeigneten Baulichkeit an der Luisenstraße in Berlin, nahe der Charité, kaum noch etwas im Wege.

Traditionsreiches Haus im Herzen von Berlin

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Seit 2009 führt Gisela Albrecht ehren amtlich die Geschäfte der Kaiserin Friedrich- Stiftung am Robert-Koch-Platz in Berlin-Mitte. Zuvor war sie Ärztliche Leiterin des Klinikum Spandau, Vivantes, und dort Chefärztin für Dermatologie. Fotos: Georg J. Lopata
Seit 2009 führt Gisela Albrecht ehren amtlich die Geschäfte der Kaiserin Friedrich- Stiftung am Robert-Koch-Platz in Berlin-Mitte. Zuvor war sie Ärztliche Leiterin des Klinikum Spandau, Vivantes, und dort Chefärztin für Dermatologie. Fotos: Georg J. Lopata

„Alles, was damals Rang und Namen hatte, hat Spenden in die Hand genommen und den Bau des Kaiserin Friedrich-Hauses gesponsert“, erzählt Dr. med. Gisela Albrecht, seit zwei Jahren ehrenamtliche Geschäftsführerin der Kaiserin Friedrich-Stiftung und mit dem Vorsitzenden Prof. Dr. med. Karsten Vilmar, Ehrenpräsident der Bundes­ärzte­kammer, und Schatzmeister Bernd Goldmann im Vorstand der Stiftung. Die Liste der Spender liest sich wie das Who’s who der Wirtschaftselite zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Albrecht wünschte, auch heute noch auf eine solche Spendenbereitschaft zu treffen, hat diesbezüglich aber keine Illusionen.

An der Spitze eines solch traditionsreichen Hauses zu stehen bedeutet für Albrecht eine große Auszeichnung, gleichzeitig jedoch auch eine Bürde, wenn sie an den baulichen Erhalt dieses prächtigen Gebäudes im Herzen von Berlin denkt. Derzeit bestehe eine ihrer wesentlichen Aufgaben als Geschäftsführerin darin, finanzielle Unterstützung für die Instandhaltung des Kaiserin Friedrich-Hauses einzuwerben. Das Stiftungsvermögen allein reiche bei weitem nicht für die anstehenden unumgänglichen Baumaßnahmen aus. Denn bei allem, was man bei einem solchen traditionsreichen Gebäude, das unter Denkmalschutz steht, anfasse – Fenster, Fassade, Küche –, müsse man mit großen Ausgaben rechnen.

Das Haus sei mit Vermietungen und den Veranstaltungen sehr gut ausgelastet, erzählt Gisela Albrecht. Bester Beleg dafür ist, dass wir uns für dieses Gespräch einen freien Raum im obersten Stockwerk suchen müssen. Aber das damit erwirtschaftete Plus reiche bei weitem nicht für die nötigen Investitionen aus. Von der Pharmaindustrie möchte Albrecht bei den eigenen Veranstaltungen unabhängig sein – ein Standpunkt, den sie gerne auch bei Gesprächen mit der Bundes­ärzte­kammer und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) vermittelt, wenn es um die finanzielle Unterstützung der Kaiserin Friedrich-Stiftung geht. Ihre Argumentation: „Wenn wir Ärzte pharmaunabhängig bleiben wollen, dann müsst ihr euch auch für das Haus mit verantwortlich fühlen, um diese nationale Begegnungsstätte für Ärzte zu erhalten.“

Anders als viele Charité-Gebäude wurde das Kaiserin FriedrichHaus im Zweiten Weltkrieg nicht zerstört. Nach Kriegsende war hier vorübergehend die russische Militärkommandatur untergebracht, bevor es an die DDR übereignet wurde. Den Ärzten wurde die weitere Nutzung des Hauses untersagt, stattdessen war dort bis kurz nach der Wiedervereinigung die Akademie der Künste untergebracht. Im großen Hörsaal, den man für den Orchestereinsatz umgebaut hatte, traten viele bekannte DDR-Künstler auf.

Nach Arbeitspause wieder zurück in den Arztberuf

Das Stiftungsvermögen konnte der Schatzmeister der Stiftung vor dem Mauerbau in den Westen retten, berichtet Albrecht. Davon habe man dann die ersten Renovierungen durchführen können, nachdem es im Zuge der Wiedervereinigung nach einem Rechtsstreit mit dem Berliner Senat 1992 gelungen sei, das Haus für die Ärzte und deren Fortbildung zurückzugewinnen.

Sehr am Herzen liegen Gisela Albrecht die Wiedereinstiegskurse für Ärztinnen und Ärzte, die von der Stiftung in Kooperation mit der KBV angeboten werden. Gedacht ist dieses Angebot für diejenigen, die nach einer Arbeitspause wieder zurück in den Arztberuf wollen. „Mit einem Crash-Kurs sollen die Teilnehmer in den wichtigsten Disziplinen auf den neuesten Stand gebracht werden“, führt Albrecht aus. „Dann stellen wir verschiedene Berufsfelder vor, in denen die Kursteilnehmer am ehesten tätig werden können.“ Da viele Kursteilnehmer keine Facharztweiterbildung mitbrächten, käme für sie ein Arbeitsplatz in einem Krankenhaus eher nicht mehr infrage. Mit der überbordenden Bürokratisierung und übertriebener Öko­nomi­sierung heutzutage in den Kliniken würde zudem ihre Klientel, der zumeist auch die Unbeschwertheit und der Mut der Jugend fehlte, wohl kaum mehr zurechtkommen.

Vom ökonomischen Druck, der heute auf den Chefärzten laste, kann sie aus eigener Erfahrung als Chefärztin für Dermatologie und Ärztliche Leiterin des Klinikum Spandau, Berlin, berichten. „Der Druck hat enorm zugenommen, zum Beispiel mit direkter vertraglicher Verpflichtung auf eine stetig wachsende ,Produktion‘.“ Immer mehr Fälle müssten nach dem Geschäftsmodell Krankenhaus in einem bestimmten Zeitraum abgeschlossen werden. Die Forderung nach einer Steigerung der Patientenzahlen führe zu einer unehrlichen Medizin, die letztlich nur neue Kosten verursache, ist Albrecht überzeugt.

Die Öko­nomi­sierung in der Medizin war auch das Thema des zuletzt stattgefundenen Symposiums für Ärzte und Juristen im Kaiserin Friedrich-Haus. Das Symposium wird von der Stiftung alljährlich veranstaltet; in die inhaltliche Konzeption bringt sich Albrecht sehr engagiert ein. Auch das für den 24./25. Februar 2012 geplante 41. Symposium verspricht ihrer Ansicht nach spannende Fortbildung für Ärzte und Juristen. Es geht unter Beteiligung renommierter Experten um das Thema „Gefährdung der ärztlichen Entscheidungsfreiheit, Gefahren der Korruption“.

Was der ehrenamtlichen Geschäftsführerin der Stiftung ganz besonders am Herzen liegt, ist die Betreuung und auch finanzielle Förderung von Kollegen aus dem Ausland, die sich in Deutschland zum Zwecke der Weiter- oder Fortbildung aufhalten. Mit diesen Stipendiaten laufe hierzulande nicht alles zum Besten, kritisiert Albrecht vor dem Hintergrund eigener Erfahrungen bei der Betreuung von Stipendiaten. „Ich habe mir das nicht so vorgestellt, dass mit denen zum Teil so umgegangen wird.“ Zu häufig würden Chefärzte oder Klinikkonzerne in den ausländischen Kollegen nur billige Arbeitskräfte sehen, die das Geld für ihren Lebensunterhalt aus ihrer Heimat mitbringen. Ihnen werde eine Weiterbildung zum Facharzt versprochen; die Vermittlung der vorgeschriebenen Weiterbildungsinhalte werde aber oft – gelinde gesagt – vernachlässigt. Ergebnis: Viele dieser Gastärzte würden scheitern und in ihr Heimatland zurückkehren, ohne den Facharzt geschafft zu haben.

Vision einer Akademie für ausländische Ärzte

„Ich will etwas für diese Kollegen tun“, sagt Albrecht. Für den Juni 2012 plant sie eine Kompaktfortbildung für ausländische Ärzte. Diese sollen damit – möglichst zu Beginn ihrer Tätigkeit – über das System der Gesundheitsversorgung in Deutschland, aber genauso über ihre Rechte und Pflichten aufgeklärt werden. Sie sollen Informationen bekommen, worauf sie zu achten haben und wohin sie sich wenden können, wenn etwas nicht in Ordnung ist. Langfristig könne sie sich eine Akademie für ausländische Ärzte unter dem Dach der Kaiserin Friedrich-Stiftung vorstellen, bekräftigt Albrecht, aber für die Umsetzung eines solchen Projekts reichten derzeit die Mittel der Stiftung nicht aus. Realisiert werden soll jedoch schon bald ein eigenes Stipendienprogramm für besonders förderungswürdige Stipendiaten – und ein Willkommensprogramm für Gastärzte, „damit diese sich hier direkt ein bisschen besser aufgehoben fühlen“.

Thomas Gerst

@Programm und weitere Informationen im Internet unter: www.kaiserin-friedrich-stiftung.de

Tochter der Queen

Die Kaiserin Friedrich-Stiftung für das ärztliche Fortbildungswesen ist benannt nach der Ehefrau des deutschen Kaisers Friedrich III. (1831–1888), auch bekannt als der 99-Tage-Kaiser. Kaisergattin Victoria (1840–1901) war die älteste Tochter von Queen Victoria (1819–1901). Die Stiftung wurde auf Initiative von Ernst von Bergmann, Robert Kutner und Friedrich Althoff in Berlin gegründet und zur Trägerin des Kaiserin-Friedrich-Hauses bestimmt, das zwischen 1904 und 1906 aus privaten Spenden errichtet wurde.

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