ArchivDeutsches Ärzteblatt3/2012App-Projekt: Mit dem Touchpad zur Visite

TECHNIK

App-Projekt: Mit dem Touchpad zur Visite

Dtsch Arztebl 2012; 109(3): A-104 / B-96 / C-96

Krüger-Brand, Heike E.

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An der Charité – Universitätsmedizin Berlin greifen Ärzte über Tablet-PCs auf die elektronische Patientenakte zu.

Elf Ärzte mit iPads machen derzeit in der Klinik für Neurologie an der Charité – Universitätsmedizin Berlin bei der Visite die Runde, doch aufgrund des positiven Feedbacks sollen schon bald alle 35 Ärzte der Abteilung damit ausgestattet werden, um mobil auf Patientendaten zugreifen zu können. An den Tablet-PCs können sie beispielsweise aktuelle Laborbefunde, Vitalparameter, Bilder, Kontaktdaten, Diagnosen und Prozeduren abrufen. Genutzt wird hierfür die Applikation „Electronic Medical Record“* der Softwarefirma SAP. Die App stellt eine Verbindung zu den vorhandenen klinischen Systemen, wie etwa Krankenhausinformations-, Labor- und Bildsystemen (PACS), her und zeigt relevante Daten zu jedem Patienten in einem übersichtlichen, gut lesbaren Format an.

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Die Software ist ein Gemeinschaftsprojekt von SAP und der Charité. „Die App haben wir Ärzte wesentlich mitentwickelt“, berichtet der stellvertretende Klinikdirektor Prof. Dr. med. Stephan A. Brandt. „Wir haben überlegt, welche Informationen am ehesten abgerufen werden und was den klinischen Ablauf unterstützt.“ Derzeit dient die App den Ärzten vor allem als Befundlesesystem. „Dabei werden die Daten aus unserem SAP-System benutzergerecht aufbereitet – eigentlich handelt es sich nur um eine andere Darstellungsform, und mit dem Touchpad ist die Anwendung intuitiv bedienbar“, erläutert der Neurologe. Wichtig für die Usability der App ist aus seiner Sicht, dass die klinischen Anwender die Funktionalitäten und Anforderungen für den Einsatz im medizinischen Umfeld definieren konnten und dass sie auch bei der Entwicklung der Folgeversionen mit dabei sind.

Probleme und Fragen effizient an Ort und Stelle klären

Der direkte Zugriff auf elektronische Patientendaten und -bilder unterstützt die Ärzte bei der Entscheidungsfindung und Zusammenarbeit mit ihren Kollegen. Unterm Strich bleibt den Ärzten bei der Visite mehr Zeit für das Arzt-Patienten-Gespräch. „Die Befunde der Patienten sind immer dort, wo wir arbeiten. Jetzt haben wir direkt am Patientenbett die Möglichkeit, Aufnahmen einer Computertomographie dem Patienten am Tablet-PC zu zeigen und gemeinsam mit ihm zu besprechen“, betont Brandt. Mit der mobilen Visite stehen die Patientendaten zudem in Echtzeit zur Verfügung, und die Patientenakte ist – anders als bei der Papierakte – an jedem Ort im Krankenhaus abrufbar. Dadurch lassen sich viele Arbeitsabläufe optimieren.

Zusätzlich zur mobilen Datenabfrage soll im ersten Quartal 2012 auch ein schreibender Zugriff umgesetzt werden. Dabei seien drei Wege der Dateneingabe möglich, erläutert Hagen Hupperts vom Geschäftsbereich IT der Charité: die Erfassung über eine eingeblendete Tastatur, über eine Bluetooth-Tastatur sowie über Spracheingabe. Letzteres wird in einem Projekt mit dem Spracherkennungsspezialisten Nuance in einer „private cloud“ umgesetzt: Aus Sicherheitsgründen wird dabei die Spracherkennungssoftware nicht per Internet, sondern über einen Server im klinikeigenen Netzwerk bereitgestellt.

An der Charité ist eine Anbindung der App zum Krankenhausinformationssystem i.s.h.med von Siemens realisiert. Die App kann jedoch prinzipiell an alle klinischen Backendsysteme angeschlossen werden. Die Patientendaten werden aus den Kliniksystemen extrahiert und per WLAN an das Mobilgerät gesendet. Nur wenn diese Anbindung an das geschützte klinikeigene Funknetz besteht, lassen sich die Informationen abrufen. Wenn die mobilen Geräte mit UMTS ausgestattet sind, wäre es künftig sogar möglich, von extern auf das interne Kliniknetzwerk zuzugreifen. Dann könnte sich etwa ein Oberarzt in Rufbereitschaft von zu Hause aus ins Netz einloggen, um Fragen zu einem Patienten zu beantworten. Die technische Realisierung ist allerdings deutlich aufwendiger.

Der Zugriff auf die sensiblen Daten ist nur über registrierte Geräte möglich und beruht auf dem internen Berechtigungskonzept in der Klinik. Auch wenn das Pad gestohlen oder verloren wird, besteht keine Gefahr, dass Daten in falsche Hände gelangen: So lassen sich auf dem Endgerät keine Daten abspeichern. Zudem wird der Cash-Speicher während der Nutzung der App verschlüsselt und unmittelbar nach dem Beenden der Anwendung gelöscht.

Heike E. Krüger-Brand

* Wer ausprobieren möchte, wie die App funktioniert, kann sie kostenfrei im Apple iTunes Store herunterladen und im Offline-Demonstrationsmodus mit Demodaten testen.

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