ArchivDeutsches Ärzteblatt3/1996Gesundheitsrat: Ewig Gestrige?
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LNSLNS Beim Lesen konnte ich mich erinnern, daß es so etwas wie Arbeiter- und Soldatenräte, Räterepubliken und ähnliches in der Geschichte bereits gegeben hat. Und wenn mich nicht alles täuscht, haben diese sozialistischen Strukturen durch die "Wende" vor sechs Jahren nachgewiesen, daß sie nicht überlebensfähig sind.
Ich frage mich: Sind die Grünen nicht in der Lage, aus der Geschichte zu lernen? Oder sind sie Schreibtischtäter, die von der Realität der Krankenversorgung keine Ahnung haben? Sollte beides nicht zutreffen, muß es sich wohl um "Überzeugte" oder "ewig Gestrige" handeln. Vorausgesetzt, man unterstellt keine böse Absicht oder Willen zum Chaos, wenn geschrieben wird: "Der Gesundheitsrat soll die zur Erfüllung des Leistungskatalogs der Kran­ken­ver­siche­rung notwendigen Leistungen auswählen – nach politisch festgelegten Kriterien der Qualität und des Preises."
Soll man vielleicht auch demokratisch abstimmen, ob Frau Mustermann diese oder jene Therapie erhält? Oder glauben sie, daß Krankheiten regional unterschiedlich, je nach politischen oder ökonomischen Gegebenheiten zu verschwinden belieben? Oder soll sogar die Bevölkerung einer wirtschaftlich schwachen Region schlechter versorgt werden als die in großen Wirtschaftsregionen? Sollen es gar die Asylanten und Sozialhilfeempfänger sein, die schlechter (oder besser) versorgt werden – je nach politischer oder wirtschaftlicher Notwendigkeit?
Ich kann nur Fontane zitieren: "Wer mit 18 kein Revolutionär ist, hat kein Herz, wer jedoch mit 30 noch einer ist, hat keinen Verstand." (Bei uns kann man wegen der überlangen Ausbildungszeiten vielleicht noch fünf Jahre dazugeben.)
Dr. med. Christoph Liebrecht, Wiedinger Weg 19, 29614 Soltau
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