ArchivDeutsches Ärzteblatt16/1996Brustrekonstruktion mit PVP-Hydrogel: Eine Alternative zu Silikon-Implantaten

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Brustrekonstruktion mit PVP-Hydrogel: Eine Alternative zu Silikon-Implantaten

Vetter, Christine

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LNSLNSLNSLNS Nach Mastektomie gibt es verschiedene Möglichkeiten der Brustrekonstruktion. Beim autologen Brustaufbau wird Gewebe vom Rücken oder aus der Bauchregion transplantiert, allerdings ist die Operation aufwendig und nicht ohne Risiken. Es entstehen zusätzliche Narben, deren Heilung oft mehr Probleme bereitet als diejenige im eigentlichen Operationsgebiet. Viele Operateure und Frauen entscheiden sich deshalb für einen heterologen Brustaufbau mit Hilfe eines Implantates aus Fremdmaterial. Die bisher verwendeten Silikon-Implantate haben jedoch den Nachteil, daß geringe Silikonmengen kontinuierlich ins Gewebe austreten können (Silikon-Bleeding); außerdem wurden Rupturen des Implantates beobachtet, so daß das kleberähnliche Silikon ins Gewebe ausläuft – wobei Silikon im Verdacht steht, Autoimmunerkrankungen auslösen zu können. Schon seit Jahren wird deshalb intensiv an anderen Lösungen gearbeitet, und eine Alternative zum Silikon wurde kürzlich weltweit im Markt eingeführt. Es handelt sich um ein neues, mit PVP-Hydrogel gefülltes Brustimplantat, das von der Novomedical Products GmbH (Monheim) vertrieben wird. PVP-(Polyvinylpyrrolidon-)Hydrogel hat gegenüber Silikon entscheidende Vorteile: Es handelt sich um ein biokompatibles Material, das im Organismus völlig abgebaut wird. Nach Injektion oder allgemein nach Eintritt in den Körper wird es innerhalb weniger Tage ohne Metabolisierung über die Nieren oder das retikuloendotheliale System wieder ausgeschieden.
Die Substanz ist deshalb in der Medizin längst keine Unbekannte mehr: Sie wird als Bindemittel zur Tablettenherstellung eingesetzt, als Trägersubstanz antimikrobieller Wirkstoffe (PVP-Jod) bei der Hautdesinfektion und dient als Trägermaterial bei der transdermalen Applikation von Medikamenten sowie als Lösungsvermittler bei Injektionen. Auch in der Lebensmittel- und Genußmittelindustrie ist PVP ebenso wie in Kosmetika und Reinigungsmitteln weit verbreitet.


Gute Eigenschaften
Bei den Brustimplantaten vermittelt das neue Hydrogel ähnliche Eigenschaften wie Silikon, es sorgt für ein weitgehend natürliches, weiches Tastgefühl, wie Dr. Horst H. Grübmeyer (Stuttgart) bei der Vorstellung des Systems erläuterte. Damit ist das neue Hydrogel anderen Alternativen – wie Kochsalzlösung oder Sojaöl – überlegen. Das neue Hydrogel ist durchlässig für Röntgenstrahlen, was bei der Nachsorge von Brustkrebspatientinnen, aber auch in der plastischen Chirurgie bedeutsam sein kann, wenn sich Frauen nach einer Brustvergrößerung im weiteren Verlaufe ihres Lebens einer Mammographie unterziehen müssen.
Durch seine rauhe, textorierte Oberfläche senkt das PVP-Hydrogel außerdem das Risiko von Kapselfibrosen, die vielen Frauen durch Silikonimplantate zum Problem geworden sind. Grübmeyer bewertete das neue Implantat auch als effektive Alternative zu herkömmlichen Systemen, das sich nun aber in der Langzeitanwendung bewähren muß. Christine Vetter

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