ArchivDeutsches Ärzteblatt26/1998Bei Morphin-Nebenwirkungen: Wechsel zu Retardpräparat ist sinnvoll

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Bei Morphin-Nebenwirkungen: Wechsel zu Retardpräparat ist sinnvoll

Dtsch Arztebl 1998; 95(26): A-1686 / B-1427 / C-1333

Bischoff, Angelika

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LNSLNS Nicht nur Tumorpatienten, sondern auch andere Patienten mit starken Schmerzen bei Osteoporose, Arthritis oder Neuralgie sind häufig nur mit Opioiden ausreichend zu therapieren. In jedem Fall muß die OpioidTherapie individuell auf den Patienten zugeschnitten sein. Nach der Einführung von MST Continus®, der weltweit ersten Morphin-Retard-Kapsel, erweitert Mundipharma in diesem Jahr seine Opioid-Palette durch zwei neue oral retardierte Substanzen: retardiertes Hydromorphon (Palladon®) und Oxycodon zur Therapie starker Schmerzen.
Hohe Bioverfügbarkeit
Retardiertes Hydromorphon ist seit dem 1. April 1998 in vier Dosisstufen (4, 8, 16, 24 mg) verfügbar. Der Wirkstoff wird aus den Retardkapseln rasch und unabhängig vom pH-Wert gastrointestinal resorbiert. Die Bioverfügbarkeit liegt mit 40 Prozent vergleichsweise hoch und schwankt deutlich weniger als zum Beispiel bei Morphin. Die Wirkung hält zwölf Stunden an. In der analgetischen Potenz liegt Hydromorphon etwa 7,5mal höher als Morphin. Nebenwirkungen treten seltener auf als unter Morphin. Das könnte unter anderem an einer Besonderheit im Metabolismus liegen: Man macht die Akkumulation des Metaboliten Morphin-6-Glucuronid, der nach neueren Untersuchungen nicht analgetisch wirkt, für viele Nebenwirkungen von Morphin verantwortlich. Retardiertes Hydromorphon wird jedoch ausschließlich zu Hydromorphon-3-Glucuronid metabolisiert.
Der Einsatz von retardiertem Hydromorphon biete sich an, wenn andere Opioide die Schmerzen trotz schnell steigender Dosis nur unzureichend lindern oder intolerable Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen, Wahrnehmungsstörungen, Halluzinationen und Myoclonus verursachen, erklärte Dr. Anthony O’Brien (Cork/Irland) anläßlich des 3. Kongresses der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Schmerztherapie in Hamburg.
Unterschiedliches Ansprechen
Man hat die Erfahrung gemacht, daß Patienten auf verschiedene Opioide sehr unterschiedlich ansprechen und sie auch unterschiedlich gut tolerieren. Als Ursache dafür diskutiert man hereditär bedingte Differenzen in den Opioid-Rezeptoren und/oder eine Veränderung der Rezeptor-Expression unter der Opioid-Therapie. Durch seine hohe analgetische Potenz erlaubt retardiertes Hydromorphon, Patienten, die hohe Morphin-Dosen gebraucht haben, auf geringe Substanzmengen einzustellen und damit auch Nebenwirkungen einzusparen. Das halbsynthetische Opioid Oxycodon soll noch dieses Jahr in Deutschland eingeführt werden. Es ist indiziert zur Therapie chronischer Schmerzen der WHO-Stufe II bis III. Dr. Earle Lockhart (Purdue Frederick, Norwalk) faßte die Ergebnisse amerikanischer Studien zusammen. Schmerzen lindert das zwölf Stunden wirksame RetardPräparat genauso schnell wie nicht-retardiertes Oxycodon - bei besserer Verträglichkeit. Prof. Sanford H. Roth (Phoenix) bestätigte diese Aussage mit den Ergebnissen einer eineinhalbjährigen Studie an 106 Patienten mit Arthrose-Schmerzen. Bei 80 Prozent der Patienten konnten die Schmerzen mit retardiertem Oxycodon besser kontrolliert werden. Die Dosis ließ sich nach einer zweiwöchigen Titrationsphase stabil halten.
Europäische Erfahrungen mit Oxycodon stellte Dr. Eija Kalso (Helsinki) vor. Akute Schmerzen unterdrückte Oxycodon in einer Dosis, die nur halb so hoch war wie die von Morphin, länger. Als Vorteil betrachtet die Referentin vor allem die vergleichsweise hohe Bioverfügbarkeit von retardiertem Oxycodon. Dr. Angelika Bischoff
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