ArchivDeutsches Ärzteblatt6/2012Therapie von Patienten mit Weichteilsarkomen: Tumorprogress wird verlangsamt

PHARMA

Therapie von Patienten mit Weichteilsarkomen: Tumorprogress wird verlangsamt

Dtsch Arztebl 2012; 109(6): A-277

Siegmund-Schultze, Nicola

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Für die Behandlung von vorbehandelten Patienten mit fortgeschrittenen Sarkomen wird der mTOR-Inhibitor Ridaforolimus klinisch geprüft. Daten einer Phase-III-Studie belegen: Das Tumorwachstum lässt sich aufhalten – zumindest vorübergehend.

Weichteil- und Knochensarkome sind mit einem Anteil von ein bis zwei Prozent an den Malignomen seltene Tumoren. Obwohl es einen Altersgipfel zwischen dem 30. und dem 49. Lebensjahr gibt, treten bestimmte Sarkome wie das Rhabdomyosarkom, das Ewing- und das Osteosarkom gehäuft auch im Kindesalter auf: Circa jeder zehnte bei Kindern und Jugendlichen diagnostizierte maligne Tumor ist ein Sarkom.

Die Heilungschancen von Sarkompatienten differieren erheblich, je nach Art und Stadium des Tumors. Bei nichtmetastasierter Erkrankung (Stadien I bis III) liegen die Fünfjahresüberlebensraten zwischen 50 und 90 Prozent, im Stadium IV bei fünf bis zehn Prozent. Daher wird intensiv nach neuen Therapieoptionen geforscht.

Anzeige

Rückgang der Tumormasse

In fortgeschrittener klinischer Entwicklung ist Ridaforolimus, ein mTOR-Inhibitor (mTor für: mammalian Target of Rapamycin). Ähnlich wie Rapamycin hemmt Ridaforolimus Zellmetabolismus, Proliferation und Angiogenese. Dass Ridaforolimus innerhalb nur weniger Tage den Rückgang von metabolisch aktiver Tumormasse bewirken kann, ist bereits vor einigen Jahren durch die Positronen­emissions­tomo­graphie nachgewiesen worden, unter anderem bei einem Patienten mit metastasiertem Osteosarkom (The Oncologist 2007; 12: 1007– 18). Dies berichtete Priv.-Doz. Dr. med. Peter Reichardt, Chefarzt am Helios-Klinikum Bad Saarow.

In einer Phase-II-Studie ist bei 212 Patienten mit fortgeschrittenen Knochen- oder Weichteilsarkomen durch die Gabe von 40 mg Ridaforolimus oral pro Tag (für fünf Tage pro Woche) ein mittleres progressionsfreies Überleben von 15,3 Wochen erzielt worden. 23,4 Prozent der Patienten erreichten ein progressionsfreies Überleben von sechs Monaten.

Nun liegen erste Ergebnisse einer multizentrischen doppelblinden randomisierten Phase-III-Studie vor (SUCCEED: Sarcoma multi-center clinical evaluation of the efficacy of Ridaforolimus). Darin werden Wirksamkeit, Verträglichkeit und Sicherheit von Ridaforolimus in gleicher Dosierung wie in der Phase-II-Studie versus Placebo bei 711 Patienten mit metastasierter Erkrankung (Osteo- und Weichteilsarkome), aber im guten Allgemeinzustand (ECOG 0/1) untersucht. Die Patienten müssen auf mindestens drei vorangegangene Chemotherapiezyklen angesprochen haben, mTOR-Inhibitoren ausgeschlossen.

Die Daten der 2007 begonnenen Studie beziehen sich bislang auf den primären Endpunkt, das progressionsfreie Überleben (PFS), basierend auf dem radiologischen Befund. Das mediane PFS beträgt für die Ridaforolimus-Gruppe 17,7 Wochen, im Placeboarm 14,6 Wochen, wie Reichardt berichtete. Der Unterschied sei statistisch hoch signifikant und klinisch bedeutsam. Die Hazard Ratio (HR) betrage 0,72 (p = 0,0001). Die Daten zum Gesamtüberleben lägen noch nicht vor.

Bessere Tumorkontrolle

Es liege aber eine vorläufige Analyse vor, basierend auf 386 Todesfällen, sagte Reichardt. Danach gibt es einen Trend zugunsten des mTOR-Inhibitors mit einer HR von 0,88: Die Patienten in der Behandlungsgruppe überlebten im Durchschnitt 21,4 Monate, im Placeboarm 19,2 Monate.

Die unerwünschten Effekte entsprächen denen, die von mTOR-Inhibitoren bekannt seien, meinte Reichardt. Nebenwirkungen vom Grad 3/4 waren selten. Beobachtet wurden Stomatitis (52 Prozent), Infektionen, Thrombozytopenie, Müdigkeit und Anämie. So habe Ridaforolimus das Potenzial für eine bessere Tumorkontrolle in der Erhaltungstherapie von Patienten von fortgeschrittenen Osteo- und Weichteilsarkomen, resümierte Reichardt.

Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

MSD-Symposium „Neue und bewährte Therapiestrategien in der Onkologie“ auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie in Basel, MSD Sharp & Dohme

Kurz informiert

Möglicher Lieferengpass von Mircera 100 Fertigspritzen – Roche-Pharma macht auf einen knappen Bestand von Mircera 100 (Methoxy-Polyethylenglykol-Epoetin beta) als Folge eines Produktionsproblems aufmerksam. Das Präparat zur Behandlung der Anämie bei chronischen Nierenerkrankungen wird voraussichtlich ab 15. Februar  nicht mehr ausgeliefert werden können. Neueinstellungen sollten daher nicht mehr begonnen werden. Nach derzeitigem Stand erscheint die Versorgung der Prädialysepatienten mit den Stärken 30 bis 75 Mikrogramm gesichert. Es ist derzeit nicht bekannt, wann die Lieferfähigkeit der 100-Mikrogramm-Dosis wiederhergestellt sein wird. Weitere Fragen beantwortet die Abteilung Medizinische Information der Roche-Pharma AG unter 07624-142051. EB

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema