SCHLUSSPUNKT

Von schräg unten: Reform

Dtsch Arztebl 2012; 109(6): [84]

Böhmeke, Thomas

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Dr. med. Thomas Böhmeke

Viele unserer jungen, hierzulande bestens ausgebildeten Kolleginnen und Kollegen gehen ins Ausland, um sich dort hingebungsvoll um Patienten zu kümmern, während daheim Tausende Stellen für Assistenzärzte unbesetzt sind und ganze Landstriche händeringend nach niederlassungswilligen Kollegen suchen. Warum nur? Ich als Zurückgebliebener weiß natürlich die Antwort: Unsere universitäre Ausbildung bereitet unsere jungen Kolleginnen und Kollegen nicht in einer Art und Weise vor, dass sie sich unbändig darauf freuen, ihren Dienst in einer heimischen Klinik oder Praxis anzutreten. Wir sind an einem Punkt des Ärztemangels, wo wir erkennen müssen, dass wichtige Voraussetzungen, die Eifer und Empathie gebären, in das Curriculum des Medizinstudiums Eingang finden müssen! Wir müssen das Medizinstudium dergestalt reformieren, dass unsere Nachfolger gar nicht umhinkönnen, sich um die offenen Stellen in Praxis und Klinik zu reißen. Wir müssen überschäumende Glücksgefühle und berauschende Visionen für die kommende Arbeit schüren!

Hierfür bieten sich bereits im Vorklinikum Vorlesungen mit Themen wie „Unbezahlte Überstunden – wie kann ich mich erfolgreich aus den Querelen der Familiengründung heraushalten?“ an, folgerichtig gefolgt von Ausführungen zu „Scheidung? Nicht nachts einsam grübeln, Dienste schieben!“. So präpariert sind unsere jungen Adepten sicherlich auch dankbar, den Kurs „Kosteneffizienz, Mangel und Bürokratie – der neue Glanz des Arztseins“ besuchen zu dürfen. Aber auch die Praxis darf keinesfalls zu kurz kommen: Um den Anforderungen der heutigen Zeit, also Arbeitsverdichtung und Simultantätigkeiten, wirklich gerecht zu werden, sollten Übungen gestaltet werden, in denen das Visitieren über Mobilfunk, gleichzeitiges linkshändiges Briefetippen und rechtshändiges Gastroskopieren trainiert wird. Diejenigen mit zwei linken Händen können auf die Füße ausweichen, zertifizierte Desinfektion natürlich vorausgesetzt. Nur Kleingeister können bei solch einem Training Überforderung wittern, ein frühzeitiges Burn-out prophezeien, jedoch der Einsteigerworkshop „Das Telefonbuch von Berlin? Eine leichte Übung!“ bereitet unsere jungen Kollegen derart wirkungsvoll auf die täglichen Anforderungen unseres Berufes vor, so dass sie gar nicht mehr umhinkönnen, sich um Arztstellen in unserem schönen Lande zu drängeln.

Ich finde, dass ich wirklich hervorragende Vorschläge zur Bewältigung der Ärzteflucht gemacht habe und erwarte überschwängliche Lobreden sowie Dankesschreiben von Universitäten. Und warte . . . und warte . . . und warte . . .

Dr. med. Thomas Böhmeke
ist niedergelassener Kardiologe in Gladbeck.

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