BILDUNG

Studienberatung: „Vermitteln Sie Gelassenheit“

Dtsch Arztebl 2012; 109(6): A-275 / B-241

Bühring, Petra

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Eltern wollen ihre Kinder bei der Berufswahl unterstützen. Sich über die Veränderungen in der Hochschullandschaft zu informieren schadet daher nicht.

Erwartungsvoll schauen die Eltern den jungen Studienberater an: Malte Einstein soll ihnen die reformierte Hochschullandschaft erklären, damit sie wiederum ihren Kindern bei der Berufswahl helfen können. Beim „Orientierungsseminar für Eltern“, das die private Studienberatung planZ in Berlin anbietet, sind neben Eltern auch zwei Großelternpaare gekommen. Das Bedürfnis, dafür zu sorgen, dass aus dem Kind etwas wird, ist groß.

„Jugendliche haben meist noch gar kein Gefühl für Berufe“, sagt Einstein, „gleichzeitig ist der Druck von außen, die richtigen Entscheidungen zu treffen, enorm gewachsen.“ Ausprobieren scheint kaum mehr möglich. Deshalb rät er den meist hochambitionierten Eltern, ihren Kindern zunächst einmal „Gelassenheit zu vermitteln“. Denn: „Mit einem Hochschulstudium kann man nicht viel falsch machen“, glaubt er.

Beratungen zur Berufswahl für Schüler ab der zehnten Klasse bieten die Agenturen für Arbeit und auch die Studienberatungen der Hochschulen an. Häufig beschränkt sich das Angebot jedoch auf das Aushändigen von Prospekten oder Tests, die die Jugendlichen allein am Computer machen sollen, um ihre Neigungen herauszufinden. Die private Studienberatung planZ wirbt damit, dort einzusetzen, „wo öffentlichen Beratungsstellen die Mittel für eine persönliche, individuelle Beratung fehlen“. Unentgeltlich ist das natürlich nicht, und das Geschäft haben auch andere private Unternehmen erkannt.

In die Beratungen von Malte Einstein kommen meist Jugendliche, für die generelle Studiengänge infrage kommen, solche, die für verschiedene Berufe qualifizieren, wie zum Beispiel Kulturwissenschaften oder Anglistik. Wem schon in jungen Jahren klar ist, dass er Arzt oder Anwalt werden will, der sucht keine Studienberatung auf beziehungsweise wird nicht dort hingeschickt. Der Vorteil der reformierten Hochschullandschaft sei jedoch, dass man zunächst einen generellen Bachelor-Studiengang auswählen könne und sich danach in einem Master-Studium erst spezialisiere, erläutert Einstein.

Grundsätzlich gilt: Der Bachelor ist eher praktisch orientiert und der Master wissenschaftlich. Der formale Unterschied zwischen praxisorientierter Fachhochschule und wissenschaftlich orientierter Universität ist aufgehoben. Die bundesweit mehr als 9 000 Studiengänge werden alle an „Hochschulen“ angeboten. Wesentliches Kriterium, damit ein Studiengang akkreditiert wird, ist „die Berufsbezogenheit des Curriculums“.

„Die Hochschulen stehen im Wettbewerb untereinander“, erläutert Einstein. Auch wenn die bekannten Hochschulen zurzeit wegen der doppelten Abiturjahrgänge und der Aufhebung der Wehrpflicht überlastet sind. In sechs bis acht Jahren, schätzt der Studienberater, werden die Hochschulen vermehrt um Studenten werben müssen. Deshalb lassen die Hochschulen derzeit Überkapazitäten zu. Für Studienanfänger habe das im Moment die Konsequenz, „dass sie von Anfang an Leistung bringen müssen“, weiß er. „Die Hochschulen schmeißen rigoros raus: Wer zu viele Klausuren vergeigt hat oder Prüfungen nicht bestanden hat, wird für den Studiengang gesperrt.“ Das versucht Malte Einstein den Jugendlichen in seiner Beratung klarzumachen. Denn: Die Leistungsbereitschaft sei bei Schülern der gymnasialen Oberstufe meist nicht sehr ausgeprägt – „zumindest in Berlin ist das so“, schränkt er ein. Zwischen den Antworten auf seine Frage „Was möchtest du erreichen?“ und „Was willst du dafür tun?“ würden häufig unrealistische Lücken klaffen. Er empfiehlt den Jugendlichen daher immer einen Blick auf den Numerus clausus für sie interessanter Studiengänge zu werfen, „auch damit sie zum Schluss noch mal ein bisschen Gas geben“.

Malte Einstein ist davon überzeugt, dass jeder hohe Leistung bringen kann, wenn er etwas macht, was seinen Neigungen entspricht. Das versucht er zusammen mit dem Jugendlichen in Gesprächen und Tests herauszufinden. Den Eltern in dem Orientierungsseminar legt er abschließend nahe, die Entscheidung für einen Studiengang die Kinder selbst treffen zu lassen. Und: „Ihre Kinder dürfen anders sein als Sie.“ PlanZ aktualisiert übrigens unter http://studienwahl.edublogs.org/ ständig den aktuellen Numerus clausus der einzelnen Studiengänge aller deutschen Hochschulen.

Petra Bühring

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