ArchivDeutsches Ärzteblatt6/2012„Euthanasie“ in Sachsen: Gedenken an die Opfer, Erinnerung an die Täter

AKTUELL

„Euthanasie“ in Sachsen: Gedenken an die Opfer, Erinnerung an die Täter

Dtsch Arztebl 2012; 109(6): A-235 / B-207 / C-207

Jachertz, Norbert

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Am Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus, dem 27. Januar, widmete sich der Sächsische Landtag in einer Gedenkveranstaltung den durch „Euthanasie“ umgebrachten Kranken und Behinderten. In Sachsen, auf dem Sonnenstein in Pirna, stand eine der sechs Mordanstalten der „Aktion T4“. Hier wurden rund 15 000 Menschen durch Gas getötet. Im sächsischen Großschweidnitz kamen nach dem Ende von T4 etwa 5 700 Patienten durch Medikamente und eine Hungerdiät zu Tode. Aber auch das: Schon 1947 standen in Dresden Täter vor Gericht. Nach der „Wende“ wurde auf dem Sonnenstein eine Gedenk- und Forschungsstätte eingerichtet.

Deren Leiter, Dr. Boris Böhm, zeichnete im Sächsischen Landtag die Entwicklungslinien der „Euthanasie“ nach, beginnend mit der Idee, Schwachen und Behinderten die Fortpflanzung zu verwehren, bis zur Tat im Nationalsozialismus: Zunächst die Sterilisation von Hunderttausenden, dann der Mord an 200 000 Menschen oder, je nach Schätzung, auch mehr. Aus Sachsen stammten etwa 23 000. Böhm: Es gebe keine Gemeinde oder Stadt im Lande, aus der nicht Opfer gekommen wären.

Landtagspräsident Dr. Matthias Rößler (CDU) vermerkte, das Töten sei „unter den Augen der Öffentlichkeit, mitten in Sachsen“ geschehen. Er sprach von der Vorstufe zum Holocaust. Tatsächlich wurden die auf dem Sonnenstein gewonnenen Erfahrungen in den Vernichtungslagern im Osten umgesetzt. Er wie Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) riefen dazu auf, die Menschenwürde im Alltag zu verteidigen. Bei der Gedenkstunde im Landtag waren die Fraktionen stark vertreten – bis auf die NPD. Sie blieb wie schon in den Vorjahren fern. NJ

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Deutsches Ärzteblatt plus
Deutsches Ärzteblatt print

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema