ArchivDeutsches Ärzteblatt PP2/2012Traumaambulanzen: Schnelle Hilfe für Gewaltopfer

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Traumaambulanzen: Schnelle Hilfe für Gewaltopfer

PP 11, Ausgabe Februar 2012, Seite 52

Bühring, Petra

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Spezialisierte Anlaufstellen - in Berlin haben zwei Traumaambulanzen eröffnet: eine für erwachsene Opfer und Zeugen von Gewalttaten und eine für Kinder und Jugendliche. Foto: Fotolia
Spezialisierte Anlaufstellen - in Berlin haben zwei Traumaambulanzen eröffnet: eine für erwachsene Opfer und Zeugen von Gewalttaten und eine für Kinder und Jugendliche. Foto: Fotolia

Zwei Traumaambulanzen für Gewaltopfer sind zu Jahresbeginn in Berlin eröffnet worden. Schnelle psychotherapeutische Hilfe erhalten erwachsene Opfer von Gewalt in der Traumaambulanz der Psychiatrischen Universitätsklinik der Charité im St.-Hedwig-Krankenhaus. Kindern und Jugendlichen wird in der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters der Charité geholfen. Die Angebote richten sich an Opfer und Zeugen von Überfällen, Messerstechereien, häuslicher Gewalt und Kindesmisshandlung. Eingerichtet wurden die Traumaambulanzen als zunächst zweijähriges Modellprojekt, das durch das Landesamt für Gesundheit und Soziales (LaGeSo) und aus Mitteln zur Durchführung des Opferentschädigungsgesetzes (OEG) finanziert wird.

„In den ersten Wochen nach einer Gewalttat kann man noch sehr viel tun, um psychische Spätfolgen bei den Opfern abzuwenden“, erklärt Prof. Dr. med. Andreas Heinz, Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Charité. In den Traumaambulanzen werden Erstgespräche zur Krisenintervention angeboten. Traumatherapeutisch ausgebildete Ärzte und Psychologen erstellen dann eine Diagnose und entscheiden über eine Behandlung. Das LaGeSo trägt nach den Vorgaben des OEG die Kosten für drei bis fünf Termine.

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Bisher ist eine schnelle Versorgung von Gewaltopfern schwierig, da es lange Wartezeiten bei niedergelassenen Traumatherapeuten gibt. Jetzt sollen die Betroffenen bereits bei Aufnahme einer Strafanzeige durch die Polizei oder bei Kontakt mit dem Rettungsdienst auf das neue Behandlungsangebot hingewiesen werden.

„Die Opfer müssen an die Hand genommen werden“, fordert auch Helmut Rüster vom Weißen Ring, der größten Hilfsorganisation für Kriminalitätsopfer. „Bundesweit fehlt es jedoch sowohl an Traumaambulanzen als auch an Information über solche Angebote“, sagt Rüster. Nur Nordrhein-Westfalen sei derzeit mit Traumaambulanzen flächendeckend versorgt. In den anderen Bundesländern seien sie nur vereinzelt vorhanden, im Aufbau oder gar nicht vorhanden. pb

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