ArchivDeutsches Ärzteblatt PP2/2012Parentifizierung: Nicht überbewerten

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Parentifizierung: Nicht überbewerten

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Die Parentifizierung von Kindern und Jugendlichen (das heißt die Übernahme von Aufgaben und Rollen durch Kinder, die eigentlich von den Eltern ausgeübt werden müssten) wird schon seit längerem als ein Risikofaktor für psychische Erkrankungen im Erwachsenenalter angesehen. Wie hoch das Risiko tatsächlich ist und welche Personen besonders betroffen sind, untersuchten Psychologen um Lisa Hooper von der University of Alabama. Anhand einer Metaanalyse, in die zwölf Studien aus den Jahren 1984–2010 mit knapp 2 500 Teilnehmern eingegangen waren, kamen sie zum Ergebnis, dass es einen geringen, aber signifikanten Zusammenhang zwischen Parentifizierung und Erkrankungsrisiko gibt. „Er zeigte sich am deutlichsten bei Essstörungen und am wenigsten bei Depressionen“, so die Autoren. Entgegen ihren Erwartungen wirkten sich jedoch weder das Geschlecht der Teilnehmer noch das Ausmaß oder die Art der Parentifizierung besonders gravierend aus. Angesichts des relativ geringen Erkrankungsrisikos durch Parentifizierung warnen Hooper und Kollegen davor, Parentifizierung insgesamt überzubewerten und vorschnell für psychische Erkrankungen verantwortlich zu machen. Schließlich gebe es viele Menschen, die als Kinder in eine Erwachsenenrolle gedrängt wurden und dies ohne bleibende Schäden überstanden hätten. Im Fall von psychisch Erkrankten, deren Probleme eindeutig mit der Parentifizierung zusammenhingen, empfehlen die Autoren jedoch eine Aufarbeitung im Rahmen einer Familientherapie. ms

Hooper L, DeCoster J, White N, Voltz M: Characterizing the magnitude of the relation between self-reported childhood parentification and adult psychopathology. Journal of Clinical Psychology 2011; 67(10): 1028–43.
Lisa Hooper, Department of Educational Studies in Psychology, University of Alabama, Box 870231, 315 B Graves Hall, Tuscaloosa, Alabama 35487 (USA), lhooper@bamaed.ua.edu

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