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ArchivDeutsches Ärzteblatt7/2012Prävention: Schon 15 Minuten Bewegung täglich senken Mortalität

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Prävention: Schon 15 Minuten Bewegung täglich senken Mortalität

Siegmund-Schultze, Nicola

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Regelmäßige körperliche Aktivität senkt nicht nur das Risiko für HerzKreislauf-Erkrankungen und die mit Übergewicht assoziierten Erkrankungen wie Diabetes und Gelenkkrankheiten, sondern auch das Malignomrisiko. Die Welt­gesund­heits­organi­sation empfiehlt mindestens 150 Minuten Bewegung pro Woche von moderater Intensität wie rasches Gehen oder 75 Minuten anstrengende Aktivität wie schnelles Laufen. Bislang aber war unklar, ab welchem Minimum an Bewegung mit lebensverlängernden Effekten zu rechnen ist.

Diese Frage haben Forscher aus Taiwan in einer prospektiven Kohortenstudie mit 416 175 Teilnehmern (48 Prozent männlich) untersucht (1). Diese wurden nach einem standardisierten Verfahren einmal pro Jahr (1996 bis 2008) nach körperlicher Aktivität, gesundheitsrelevanten Lebensstilfaktoren und medizinischen Diagnosen befragt. In Bezug auf die körperliche Aktivität gab es fünf Kategorien: inaktiv und leichte körperliche Aktivität bei einem metabolischen Äquivalent (MET) von 2,5, wobei ein MET 1 kcal pro Stunde pro Kilogramm Körpergewicht entspricht. Als moderat (mittel) wurde die Aktivität bei 4,5 MET beschrieben, als hoch bei 6,5 MET und als sehr hoch bei 8,5 MET. Die Teilnehmer waren mindestens 20 Jahre alt und wurden im Durchschnitt 8 Jahre beobachtet.

Verglichen mit inaktiven Personen ergab sich ein statistisch signifikanter Effekt auf das Mortalitätsrisiko schon ab einer leichten körperlichen Aktivität von 92 Minuten pro Woche oder 15 Minuten am Tag: Das Mortalitätsrisiko war in dieser Gruppe um 14 % reduziert im Vergleich zu Inaktiven, die Lebenserwartung um 3 Jahre verlängert. Jede Viertelstunde zusätzlicher täglicher Aktivität reduzierte das Mortalitätsrisiko um je 4 %. Der präventive Effekt ergab sich in allen Altersgruppen, bei beiden Geschlechtern und bei kardiovaskulären Erkrankungen. Umgekehrt hatten Teilnehmer ohne nennenswerte körperliche Bewegung ein um 17 % erhöhtes Mortalitätsrisiko.

Fazit: Ab einer leichten körperlichen Aktivität von 15 Minuten am Tag ergibt sich eine statistisch signifikante Minderung des Mortalitätsrisikos. Assoziationen mit Todesursachen gab es bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes mellitus und Malignomen. Die Botschaft, dass schon eine Viertelstunde Bewegung täglich einen positiven Effekt auf die Lebenserwartung habe, helfe, inaktive Patienten zu motivieren, heißt es im Editorial (2).

Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

  1. Wen Ch P, Man Wai J P, Tsai M K, et al.: Minimum amount of physical activity for reduced mortality and extended life expectancy: a prospective cohort study. Lancet 2011; 378: 1244–53.
  2. Nigam A, Juneau M: Survival benefit associated with low-level physical activity. Lancet 2011; 378: 1202–3.

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