ArchivDeutsches Ärzteblatt7/2012Kinder- und Jugendpsychiatrie: Familienbezug von zentraler Bedeutung

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Kinder- und Jugendpsychiatrie: Familienbezug von zentraler Bedeutung

Dtsch Arztebl 2012; 109(7): A-328 / B-286 / C-282

Lehmkuhl, Gerd

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In der sechsten Auflage des bekannten und weitverbreiteten kinder- und jugendpsychiatrischen Lehrbuchs wurden alle Kapitel überarbeitet und dem aktuellen Erkenntnisstand angepasst. Dabei ließen sich die Autoren von drei generellen Aspekten leiten, die alle Kapitel des Buches durchziehen: Der Entwicklungsgedanke besagt, dass sich die verschiedenen Krankheitsbilder altersabhängig in ganz spezifischer Weise manifestieren, mit den entsprechenden psychotherapeutischen, pharmakologischen und diagnostischen Besonderheiten. Ein weiteres wichtiges Element stellt der Familienbezug dar, da sich psychische Störungen im Kindes- und Jugendalter ohne diesen Hintergrund nicht verstehen und behandeln lassen. Deshalb wird der Familiendiagnostik sowie der Einbeziehung der Familie in nahezu allen therapeutischen Interventionen eine zentrale Bedeutung beigemessen. Als drittes Element wird ein interdisziplinärer Ansatz betont, der für diagnostische und therapeutische Maßnahmen unabdingbar ist und an die Kooperationsbereitschaft sowie Koordination in Klinik und Praxis hohe Anforderungen stellt.

Diesen Ansprüchen wird das Lehrbuch in besonderer Weise gerecht: Die Einführungskapitel beschäftigen sich mit Fragen der Entwicklung und Entwicklungspathologie, daran schließt sich ein umfangreicher Abschnitt zur kinder- und jugendpsychiatrischen Diagnostik und Klassifikation an. Mit Blick auf ihre praktische Umsetzung werden Grundlagen der Anamneseerhebung, der körperlichen und neurologischen Untersuchung, die Erhebung des psychischen Befundes der Familiendiagnostik, testpsychologische und neuropsychologische Aspekte sowie Grundlagen der apparativen Untersuchungen und Laboruntersuchungen dargestellt. Abschließend wird auf den diagnostischen Prozess und die Klassifikation psychischer Störungen eingegangen.

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Zentraler Teil des Lehrbuchs ist eine umfangreiche differenzierte Beschreibung psychischer Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen. Die einzelnen Kapitel folgen dabei einer einheitlichen Gliederung nach Definition und Klassifikation, Epidemiologie, Diagnostik, Ätiologie, Therapie sowie Verlauf und Prognose.

Der Grundkonzeption einer „praktischen Einführung“ entspricht ebenfalls das Kapitel über Therapie und Rehabilitation.

Neben allgemeinen Gesichtspunkten und Grundsätzen zur Indikationsstellung wird auf die verschiedenen therapeutischen Interventionsmöglichkeiten eingegangen, deren Indikation, Kontraindikation und vorliegenden Daten zur Evaluation. Ein Kapitel zu gerichtlichen Aufgaben und Organisations-/Strukturfragen in der Kinder- und Jugendpsychiatrie sowie ein eigener Abschnitt über weiterführende Literatur runden das insgesamt sehr gelungene Standardwerk ab, das sowohl für Studierende als auch sich in der Weiterbildung befindende Ärzte und Psychologen bestens geeignet ist und einen umfassenden und aktuellen Wissensstand über die Kinder- und Jugendpsychiatrie vermittelt. Gerd Lehmkuhl

Helmut Remschmidt (Hrsg.): Kinder- und Jugendpsychiatrie. 6. Auflage. Thieme, Stuttgart 2011, 552 Seiten, kartoniert, 59,99 Euro

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