ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2012Schach: Opa spielt Schach

SCHLUSSPUNKT

Schach: Opa spielt Schach

Dtsch Arztebl 2012; 109(9): [92]

Pfleger, Helmut

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Foto: Dagobert Kohlmeyer
Foto: Dagobert Kohlmeyer

Letztes Jahr schrieb mir Dr. med. H. Dörrie aus Hannover: „Bin zwar erst 91 Jahre alt, glaube aber doch schon die von Ihnen prophezeite konservierende Wirkung des königlichen Spiels zu verspüren.“ Bei seinem Humor möchte man dem Kollegen zutrauen, dass er es notfalls auch ohne das Schachspiel schaffte. Aber doppelt gemoppelt „konserviert“ sicher besser.

Das ist zumindest der eindeutige Tenor des Buches „Schach und Alter“, welches im Springer-Verlag WienNewYork mit Prof. Ernst Strouhal, dem letztjährigen Träger des Österreichischen Kulturstaatspreises, als Herausgeber erschienen ist. Ein Kapitel durfte auch ich beisteuern und neben dem Porträt meines Lieblingsprotagonisten Viktor Kortschnoi, des dreifachen Vize-weltmeisters, der am 23. März 81 Jahre alt wird und immer noch trotz etlicher körperlicher Gebrechen voller Leidenschaft den Kampf mit den ungleich Jüngeren sucht und häufig gewinnt – Kortschnoi: „Die Jungen denken, Opa fällt irgendwann um, aber dann kann der Opa fünf Stunden Schach spielen und sie an die Wand drücken“ – , etliche Studien anführen, die die gesundheitserhaltende und demenzvorbeugende Wirkung des nicht nur von Dr. Dörrie sogenannten Königlichen Spiels belegen. Durch seine Dynamik erfordert es ständige Konzentration und geistige Flexibilität und ist so erfüllend; durch seinen kommunikativen Charakter schafft es Freundschaften und bereitet Freude; durch seine Komplexität entfesselt es eine sprichwörtliche Leidenschaft, die bei den meisten Schachspielern ein Leben lang anhält.

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Wer es nicht glaubt, komme zum nächsten Ärzteschachturnier vom 20. bis 22. April in Bad Neuenahr (die es glauben, bitte auch!).

Im letzten August erinnerte Chefredakteur Heinz Stüwe im „Deutschen Ärzteblatt“ an die Beatles, die sich schon 1967, jung und knusprig, Gedanken über das Alter machten und „When I’m 64“ komponierten. An die 64 Schachfelder werden sie dabei allerdings wohl (leider) nicht gedacht haben. Heutzutage würden die Beatles laut Herrrn Stüwe aufgrund der gestiegenen Lebenserwartung wohl „When I’m 84“ singen.

In dieses Alter müssen Dr. med. Nubar Manuelyan und Dr. med. Frank Breitländer erst noch „hineinwachsen“ – die Aussichten sind gut, schließlich gehören sie zu den „Stützen“ des Ärzteturniers.

Dr. Manuelyan hatte als Weißer einen köstlichen (und riesenstarken!) Tripelbauern in der f-Linie auffahren lassen. Wie eroberte er, dessen eigener König auch recht luftig steht, die schwarze Königsfestung im Sturm?

Lösung:

Das Turmopfer 1. Txh7+! brach den wichtigen Schutzbauern weg. Schwarz versuchte noch 1. . . . Kxh7 (auch 1. . . . Dxh7 2. f7+ Lg7 3. Dxg7+! Dxg7 4. Th1+ nebst Matt war hoffnungslos), musste aber nach 2. Th1+ Lh6 3. Dg5 aufgeben, weil gegen die furchtbare Drohung Txh6+ nichts zu erfinden ist (3. . . . Df8 4. Dg6+ Kh8 5. Txh6+).

Allerdings wäre auch die „sanftere“ Lösung 1. Dg6! nicht von schlechten Eltern gewesen.

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