ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2012Lebertransplantation bei Kindern: Hohe Rate an Toleranzinduktion in einer Pilotstudie

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Lebertransplantation bei Kindern: Hohe Rate an Toleranzinduktion in einer Pilotstudie

Dtsch Arztebl 2012; 109(9): A-426 / B-367 / C-363

Siegmund-Schultze, Nicola

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Bis zu 20 Prozent der Empfänger einer fremden Leber entwickeln gegenüber dem Organ eine Immuntoleranz, so dass die Funktion des Transplantats auch nach Absetzen der medikamentösen Immunsuppression erhalten bleibt. Für Kinder wäre die erfolgreiche Induktion der Immuntoleranz von besonderem Wert. Bislang aber gibt es kaum prospektiv geprüfte Protokolle zum Ausschleichen der Immunsuppression.

In einer Pilotstudie mit 20 Kindern ist ein solches Regime untersucht worden. Die Kinder hatten eine Teilleber von Vater oder Mutter mindestens 4 Jahre vor Aufnahme in die Studie erhalten, und sie mussten seit mindestens 6 Monaten eine stabile Organfunktion unter Monoerhaltungstherapie haben (n = 13 Tacrolimus; n = 7 Cyclosporin). Zum Zeitpunkt der Operation waren die Kinder durchschnittlich 6,9 Monate alt gewesen, bei Aufnahme in die Studie 8,5 Jahre.

Die Immunsuppression sollte über mindestens 36 Wochen durch stufenweise Reduktion auf jeweils drei Viertel der bestehenden Dosierung ausgeschlichen werden: Bei Patienten unter hochdosierter Erhaltungstherapie wurde diese Reduktion für initial acht Wochen erprobt. Gab es keine Abstoßungen, erfolgten weitere Dosisreduktionen im Abstand von 4 Wochen. Patienten unter niedrigdosierter Erhaltungstherapie begannen mit dem 4-Wochen-Abstand-Schema.

12 Patienten (60 %) erreichten den primären Endpunkt: Normale Allograftfunktion für mindestens ein Jahr nach Beendigung der Erhaltungstherapie, diese Zeitspanne betrug bereits durchschnittlich 3 Jahre. Bei 7 Patienten traten Rejektionen auf, bei keinem aber sank die Transplantatfunktion während der nachfolgenden Immunsuppression unter das Ausgangsniveau.

Fazit: Bei einer Mehrzahl vorselektionierter pädiatrischer Empfänger einer Leber ließ sich die Immunsuppression ausschleichen, ohne Abstoßungen und Vernarbungen. Die Organfunktion blieb für durchschnittlich 3 Jahre erhalten. Prof. Dr. med. Ulrich Baumann, Medizinische Hochschule Hannover, kommentiert: „Die ‚operational tolerance‘, die hier induziert wurde, ist ein dynamischer Zustand, der lebenslang kritisch monitoriert werden muss, es ist also keine endgültige Toleranz. Unklar ist allerdings, wie diese Patienten prospektiv identifiziert werden könnten.“

Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

Feng S, Ekong U, Lobritto St, Demetris A, et al.: Complete Immunsuppression withdrawal and subsequent allograft function among pediatric recipients of parental liver donor liver transplant. JAMA 2012. 307: 283–93. MEDLINE

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Deutsches Ärzteblatt plus
zum Thema

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema

Anzeige