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Dtsch Arztebl Int 2012; 109(10): 188-9; DOI: 10.3238/arztebl.2012.0188b

Petersen, Iver

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In seinem Leserbrief weist Herr Prof. Lippert zu Recht auf die klinische Relevanz einer Tumorklassifikation hin. Speziell mahnt er an, dass die Diagnostik Informationen bezüglich des Verhaltens eines Tumors bei systemischer Therapie geben sollte. Die von ihm zitierten Arbeiten geben einen interessanten Einblick in die derzeit verfügbaren Methoden. Sie erlauben Aussagen zu einer möglichen Resistenz von Tumoren gegenüber einer speziellen Chemotherapie. Demgegenüber ist die Vorhersage eines positiven Therapieansprechen, das heißt der Sensitivität gegenüber einem Chemotherapeutikum, mit einer sehr viel größeren Unsicherheit behaftet.

Die Pathologie hat dieses Problem erkannt. Der entsprechende Teilbereich des Fachs wird als „prädiktive Pathologie“ bezeichnet und in der molekularen Tumordiagnostik wird zwischen diagnostischen, prognostischen und prädiktiven Biomarkern unterschieden (1, 2). Allerdings sind die Grenzen zwischen diesen Markern fließend. So ist beispielsweise der Nachweis einer aktivierenden EGFR-Mutation nicht nur mit einer Sensitivität gegenüber einer Therapie mit einem EGFR-Tyrosinkinaseinhibitor assoziiert, sondern auch mit einer besseren Prognose des Patienten. Und schon die rein morphologische Unterscheidung von kleinzelligen und nichtkleinzelligen Lungenkarzinomen ist prädiktiv für die initiale Sensitivität beziehungsweise Resistenz gegenüber einer konventionellen Chemotherapie. Gleichfalls liefert die neue morphologisch-basierte Klassifikation des Adenokarzinoms der Lunge sowohl prognostische als auch prädiktive Informationen (3, 4). Sie belegt exemplarisch, dass im histo- und zytomorphologischen Erscheinungsbild eines Tumors Merkmale enthalten sind, deren klinische Relevanz bisher unentdeckt sind. Insofern ist davon auszugehen, dass der differenzierten morphologischen Diagnostik weiterhin eine Schlüsselposition in der Tumorklassifikation zukommen wird. Sie wird ergänzt werden durch den selektiven, zielgerichteten Einsatz von Biomarkern zur Identifizierung klinisch relevanter Subgruppen. Dabei liegt die Herausforderung für den Pathologen darin, neben einem guten morphologischen Blick über fundierte Kenntnisse der molekularen Mechanismen in der Tumorbiologie und -therapie zu verfügen.

DOI: 10.3238/arztebl.2012.0188b

Prof. Dr. med. Iver Petersen

Institut für Pathologie, Universitätsklinikum Jena

iver.petersen@med.uni-jena.de

Interessenkonflikt
Prof. Petersen hat als Vortragender bei Fortbildungsveranstaltungen und Expertentreffen Honorare der Firmen Lilly, Roche, AstraZeneca, Novartis und Menarini erhalten. Darüber hinaus war er beratend für die Firmen Lilly und Böhringer Ingelheim tätig.

1.
Dietel M, Schäfer R: Systems pathology—or how to solve the complex problem of predictive pathology. Virchows Arch 2008; 453: 309–12. CrossRef MEDLINE
2.
Dietel M: Predictive pathology of cytostatic drug resistance and new anti-cancer targets. Recent Results Cancer Res 2007; 176: 25–32 CrossRef MEDLINE
3.
Travis WD, Brambilla E, Noguchi M, et al.: International association for the study of lung cancer/american thoracic society/european respiratory society international multidisciplinary classification of lung adenocarcinoma. J Thorac Oncol 2011; 6: 244–85 CrossRef
4.
Petersen I: The morphological and molecular diagnosis of lung cancer. Dtsch Arztebl Int 2011; 108(31–32): 525–31.
VOLLTEXT
1. Dietel M, Schäfer R: Systems pathology—or how to solve the complex problem of predictive pathology. Virchows Arch 2008; 453: 309–12. CrossRef MEDLINE
2. Dietel M: Predictive pathology of cytostatic drug resistance and new anti-cancer targets. Recent Results Cancer Res 2007; 176: 25–32 CrossRef MEDLINE
3. Travis WD, Brambilla E, Noguchi M, et al.: International association for the study of lung cancer/american thoracic society/european respiratory society international multidisciplinary classification of lung adenocarcinoma. J Thorac Oncol 2011; 6: 244–85 CrossRef
4.Petersen I: The morphological and molecular diagnosis of lung cancer. Dtsch Arztebl Int 2011; 108(31–32): 525–31.
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