ArchivDeutsches Ärzteblatt10/2012Randnotiz: Anamnese des Patienten Ötzi

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Randnotiz: Anamnese des Patienten Ötzi

Dtsch Arztebl 2012; 109(10): A-461 / B-397 / C-393

Zylka-Menhorn, Vera

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Nur 0,1 Gramm Beckenknochen der Tiroler Eiszeit-Mumie Ötzi reichte aus, um sein komplettes Erbgut zu entziffern. Jetzt hat ein 41-köpfiges Forscherteam die Rohdaten der DNA-Sequenzierung auf verschiedene Aspekte hin ausgewertet (Nature Communications 3, doi:10.1038/ ncomms1701). Danach litt Ötzi vor etwa 5 300 Jahren an Laktoseintoleranz und an einer genetisch bedingten Herz-Kreislauf-Erkrankung. Damit konnte die Ursache für eine bereits bekannte Arteriosklerose der Bauchaorta aufgeklärt werden, obwohl Ötzi seinerzeit nicht den heute bekannten Risikofaktoren wie Übergewicht oder Bewegungsmangel ausgesetzt war, betonte Albert Zink vom EURAC-Institut für Mumien und den Iceman in Bozen.

Die Milchzuckerunverträglichkeit war nach Einschätzung der Untersucher für den Tiroler Eismann hinderlich. „Auf dem Weg zur Sesshaftwerdung mit Ackerbau und Viehzucht wird es für ihn schwierig gewesen sein, dass er keine Milch vertragen konnte“, sagte Carsten Pusch, der die genetischen Untersuchungen an der Universität Tübingen geleitet hat.

Zudem haben die Forscher Spuren von Borrelia burgdorferi entdeckt. „Dies ist der älteste Beleg für die Lyme-Borreliose“, so Pusch. Auch bei der Suche nach Ötzis genetischen Verwandten wurde das Forscherteam fündig – auf Sardinien und Korsika, obwohl Ötzi die Alpenregion nie verlassen hat.

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Bereits im Herbst 2011 hatten die Wissenschaftler erste Ergebnisse ihrer DNA-Analyse öffentlich gemacht. Dabei zeigte sich, dass Ötzi braune Augen, braune Haare und die Blutgruppe 0 hatte. Bekannt waren zudem Bandscheibenverschleiß, Karies, leichte Parodontose und drei Gallensteine.

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