ArchivDeutsches Ärzteblatt10/2012Börsebius: Ein Großer streckt die Flügel

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Börsebius: Ein Großer streckt die Flügel

Dtsch Arztebl 2012; 109(10): A-500 / B-432 / C-428

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Sieben, aber auf mehrere Streiche verteilt, waren bisher als flächendeckende Anlegerunfälle zu beklagen. Die Rede ist von offenen Immobilienfonds, die erst eingefroren waren, dann aber doch der Auflösung weichen mussten. Mit dem nunmehr achten in der traurigen Riege hat es just eben den KanAm-Grundinvest-Fonds erwischt, und damit streckt mit einem Volumen von knapp vier Milliarden Euro ein wirklicher Brummer die Flügel.

Eigentlich hätte das Management des KanAm-Grundinvest noch bis Mai Zeit gehabt, über eine Wiedereröffnung oder halt doch die Abwicklung zu entscheiden. Doch offenbar hatten die Verantwortlichen bei den Verkaufsverhandlungen von Objekten recht wenig Erfolg zu vermelden. Am Ende war schlicht zu wenig Geld in der Kasse, um eine erfolgversprechende Wiedereröffnung eines der größten Publikumsfonds aus der Branche sicherzustellen.

Damit hat KanAm insgesamt schon drei Havarien zu beklagen. Der auf die USA und Kanada zugeschnittene KanAm-US-Grundinvest-Fonds wird bereits Ende nächsten Monats komplett abgewickelt sein. Etwa 70 Millionen Euro sind dann noch an die Anleger auszuschütten. Ein drittes, ausschließlich für institutionelle Investoren zugeschnittenes Produkt (KanAmSpezial-Grundinvest-Fonds) wurde bereits zum Jahresanfang beerdigt.

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Nun hat also die KanAm-Grundinvest-Kapitalanlagegesellschaft bis zum 31. Dezember 2016 Zeit, ihre Immobilien zu möglichst guten Preisen zu verkaufen. Für die Anleger beginnt jetzt natürlich eine Zeit langen Wartens, verbunden mit kleckerweise Teilzahlungen im Halbjahresrhythmus. Das sind echt keine schönen Aussichten.

Auf die beiden ganz großen Frachter der Spezies „offene Immobilienfonds“ kommen vermutlich ebenfalls stürmische Zeiten zu. Die Verantwortlichen sowohl der CS-Euroreal (Credit Suisse) als auch des SEB-Immoinvest müssen spätestens im Mai endgültig sagen, was gilt: wiedereröffnen oder ebenfalls den Sack zumachen. Mit einem Volumen von jeweils sechs Milliarden Euro geht es hier nicht gerade um Kleinigkeiten.

Aus heutiger Sicht sieht es – trotz anderslautender Wasserstandsmeldungen – eher nach Liquidation aus. Für eine Wiedereröffnung wäre ein Kassenbestand von 30 bis 40 Prozent des Fondsvermögens erforderlich. Die aktuelle Cash-Quote ist aber davon deutlich entfernt.

Übrigens. Ohne jeglichen Verdacht auf sich selbst kündigte ein KanAm-Sprecher jüngst an, das Ende des Grundinvest sei keineswegs ein Abschied aus der Branche. Es gebe bereits Pläne für einen neuen offenen Immobilienfonds. Da werden sich aber viele Anleger draufstürzen. Oh Mann, was für ein Realitätsverlust. Oder, um mit Christian F. Hebbel zu sprechen: „Du siehst die leuchtende Sternschnuppe nur dann, wenn sie vergeht.“

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