ArchivDeutsches Ärzteblatt10/2012Frühes Mammakarzinom: Anti-HER2-Kombination für die neoadjuvante Therapie

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Frühes Mammakarzinom: Anti-HER2-Kombination für die neoadjuvante Therapie

Dtsch Arztebl 2012; 109(10): A-486 / B-418 / C-414

Gulden, Josef

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Der monoklonale Antikörper Trastuzumab und der Tyrosinkinaseinhibitor Lapatinib wirken über unterschiedliche Mechanismen am HER2-Rezeptor. Damit stellt sich die Frage nach ihrer relativen Wirksamkeit und einem möglichen Synergismus. In zwei großen neoadjuvanten Phase-III-Studien wurden beide Fragen nun bearbeitet.

In der deutschen GeparQuinto-Studie (1) erhielten 620 Patientinnen vier dreiwöchige Zyklen aus Epirubicin und Cyclophosphamid sowie vier dreiwöchige Zyklen Docetaxel und zusätzlich randomisiert entweder Lapatinib (1 000–1 250 mg/d) oder Trastuzumab (8 mg/kg pro Zyklus). Der primäre Endpunkt, eine pathologische Komplettremission bei der Operation, wurde zu 30,3 % in der Trastuzumab-, aber nur zu 22,7 % im Lapatinib-Arm erreicht (Odds Ratio 0,68; p = 0,04). An Toxizitäten überwogen unter Trastuzumab Ödeme und Dyspnoe, unter Lapatinib Diarrhö und Ausschläge. Im Trastuzumab-Arm brachen 14 % der Patientinnen die Therapie vorzeitig ab, unter Lapatinib mit 33,1 % mehr als doppelt so viele.

In der internationalen NeoALTTO-Studie (2) wurden beide Anti-HER2-Substanzen bei 455 Frauen mit Primärtumoren von mehr als 2 cm Durchmesser sowohl einzeln als auch in Kombination getestet: Lapatinib (1 500 mg/d), Trastuzumab (eine loading dose von 4 mg/m2, anschließend je 2 mg/kg) oder beide Substanzen kombiniert (dann aber Lapatinib nur mit 1 000 mg/d). Nach 6 Wochen begann die zwölfmalige wöchentliche Gabe von Paclitaxel, darauf folgte die Operation, anschließend eine adjuvante Chemotherapie sowie für insgesamt 52 Wochen die jeweils zuvor gegebene Anti-HER2-Therapie. Hier unterschieden sich Trastuzumab und Lapatinib als Einzelsubstanzen bei den pathologischen kompletten Remissionen nicht signifikant (29,5 % vs. 24,7 %; p = 0,34), aber die Kombination war mit 51,3 % erheblich wirksamer (p = 0,0001 gegenüber Trastuzumab allein, was beim Gesamtansprechen (komplette plus partielle Remissionen) nicht so klar zu sehen war (Grafik). Kardiale Nebenwirkungen höheren Grades wurden nicht beobachtet, aber Lapatinib allein oder in Kombination mit dem Antikörper verursachte mehr Diarrhöen und Leberenzymanstiege (Grad 3) als Trastuzumab allein.

Fazit: Lapatinib sollte beim frühen Mammakarzinom bis auf weiteres nicht als Einzelsubstanz in Ergänzung zu einer neoadjuvanten Chemotherapie gegeben werden, so die Autoren. Für die Kombination beider Agenzien spreche, dass es primäre ebenso wie erworbene Resistenzen gegen beide gebe, die durch eine Kombination kompensiert werden könnten. Die Wirkmechanismen seien zumindest teilweise überlappend, das dürfte die synergistische Wirkung erklären. Josef Gulden

  1. Untch M, et al.: Lapatinib versus trastuzumab in combination with neoadjuvant anthracycline-taxane-based chemotherapy (GeparQuinto, GBG 44): a randomized phase 3 trial. Lancet Oncol 2012;
    published online January 17, 2012;
    doi: 10.1016/S1470–2045(11)70397–7. MEDLINE
  2. Baselga J, et al.: Lapatinib with trastuzumab for HER2-positive early breast cancer (NeoALTTO): a randomized, open-label, multicentre, phase 3 trial. Lancet 2012; doi: 10.1016/S0140–6736(11)61847–3. MEDLINE

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