EDITORIAL

Psychische Erkrankungen bei Erwerbstätigen: Arbeitsschutz im Fokus

PP 11, Ausgabe März 2012, Seite 97

Bühring, Petra

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Der Anteil psychischer Erkrankungen am Gesamtkrankenstand von Arbeitnehmern ist auch im vergangenen Jahr wieder gestiegen: von 12,1 Prozent in 2010 auf 13,4 Prozent. Damit haben sich die Fehltage psychisch Kranker in den letzten 15 Jahren mehr als verdoppelt. Das sind die neuesten Zahlen aus dem DAK-Gesundheitsreport 2012. Weil die durchschnittliche Arbeitsunfähigkeit mit 30 Tagen besonders lange dauert, stellen psychische Erkrankungen für Arbeitgeber ein besonders hohes betriebswirtschaftliches Risiko dar. Es lohnt sich deshalb für die Wirtschaft, in den Schutz vor psychischen Erkrankungen am Arbeitsplatz zu investieren und betroffene Arbeitnehmer dabei zu unterstützen, sich behandeln zu lassen.

Das scheint bei den Verantwortlichen jetzt angekommen zu sein. Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen will der Prävention von psychischen Erkrankungen am Arbeitsplatz in diesem Jahr besondere Priorität einräumen: Sie plant, Arbeitgeber, Gewerkschaften, Sozialversicherungsträger und Länder an einen Tisch zu holen, um einen Aktionsplan auszuarbeiten. Aktiv geworden ist auch die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, weil die Unternehmen ihre Wettbewerbsfähigkeit zunehmend in Gefahr sehen. Zusammen mit dem Verband Deutscher Betriebs- und Werksärzte unterzeichneten sie Anfang Februar in Salzgitter eine Erklärung, mit der sie sich zu verstärkten Anstrengungen bei der Prävention und Therapie psychischer Erkrankungen verpflichteten (siehe Seite 107). Die Betriebsärzte sollen hier eine zentrale Rolle als Ansprechpartner spielen und sich entsprechend qualifizieren. Die Salzgitter AG ist beispielhaft vorangegangen und vermittelt Betroffene an niedergelassene Psychotherapeuten, die sich zu einer Zusammenarbeit bereit erklärt haben und schnell Termine zur Abklärung der weiteren Behandlung anbieten. Betriebliche Prävention, die von Psychotherapeuten als externe Anbieter oder in Betrieben angestellt unterstützt wird, entspricht auch dem Konzept der Deutschen Psychotherapeuten-Vereinigung, die sich seit einigen Jahren mit dem Thema befasst. Leisten können sich das jedoch nur große Betriebe.

Auch die DAK-Gesundheit kündigte bei der Vorstellung ihres Gesundheitsreports an, Unternehmen beim Schutz vor psychischen Erkrankungen unterstützen zu wollen. Neben Arbeitsplätzen mit angemessenem Stressniveau sind ein positives Betriebsklima, eine gute Führungskultur und familiengerechte Arbeitsplätze hilfreich, um psychischen Erkrankungen vorzubeugen. Schulungen zur Führungskultur und Konfliktmanagementkurse sieht die DAK deshalb als präventiv wirksam an. Die Krankenkasse hat zudem ein verstärktes Interesse an betrieblicher Prävention, weil sie arbeitsbedingten Stress, Depressionen sowie ein Missverhältnis zwischen beruflicher Anerkennung und erbrachter Leistung, sogenannte Gratifikationskrisen, als Risikofaktoren für koronare Herzkrankheiten ausgemacht hat – neben Rauchen und Bewegungsarmut. Herzinfarkte sind die zweithäufigste Todesursache, wenngleich sie grundsätzlich rückläufig sind. Regelmäßiger Sport hilft auch, beruflichen Stress zu kompensieren. Damit kann jeder selbst beginnen und muss nicht auf den flächendeckende Einführung betrieblicher Präventionskonzepte warten.

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