ArchivDeutsches Ärzteblatt PP3/2012Drogen- und Suchtpolitik der Bundesregierung: Modelle und Kampagnen

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Drogen- und Suchtpolitik der Bundesregierung: Modelle und Kampagnen

Bühring, Petra

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Die Bundesdrogenbeauftragte stellte die Nationale Strategie zur Drogen- und Suchtpolitik vor. Sie setzt auf Prävention und Frühintervention.

Die Suchtpolitik steht aufgrund des demografischen Wandels und gesellschaftlicher Entwicklungen vor neuen Herausforderungen: Sucht im Alter ist keine Seltenheit mehr; alt gewordene Junkies passen nicht in konventionelle Pflegeheime. Riskante Konsummuster wie das „Komasaufen“ oder der gleichzeitige Konsum verschiedener illegaler Drogen nehmen zu. Der Verbreitung neuer synthetischer Drogen („legal highs“) muss etwas entgegengesetzt werden. Der pathologischen Internetsucht muss begegnet werden.

„Wir nehmen diese Herausforderungen an und müssen neue Angebote machen“, sagte die Bundesdrogenbeauftragte Mechthild Dyckmans (FDP) bei der Vorstellung der Nationalen Strategie zur Drogen- und Suchtpolitik der Bundesregierung. Die Nationale Strategie hat gerade das Bundeskabinett passiert und löst den Aktionsplan Drogen und Sucht von 2003 ab.

Dyckmans bezeichnete die Strategie, die auf zielgruppenspezifische Suchtprävention, Gesundheitsförderung und Frühintervention setzt, als „richtungsweisend“. Sie sieht unter anderem vor, dass Ärzte, Suchthilfe und Altenhilfe für Suchterkrankungen im Alter sensibilisiert werden sollen. Bei Menschen über 60 Jahre stehen die Medikamentenabhängigkeit, aber auch Alkoholsucht im Vordergrund.

Die Drogenbeauftragte will Suchterkrankungen jedoch „möglichst gar nicht erst entstehen lassen“. Sie setzt dabei auf den Ausbau der Alkoholpräventionskampagnen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Weiter sollen Eltern darin unterstützt werden, Suchtrisiken bei ihren Kindern rechtzeitig zu erkennen. Haus- und Kinderärzte sollen verstärkt Frühinterventionen durchführen. „Allgemeinmediziner müssen Patienten rechtzeitiger dem Suchthilfesystem zuführen“, forderte Dyckmans. Denn gerade bei der Inanspruchnahme von Suchtberatungsangeboten gebe es immer noch Defizite. Zielgruppenspezifisch soll auch Punktnüchternheit in Schwangerschaft und Stillzeit gefördert werden. Auch hier sieht die Politik die Ärzte, in erster Linie Gynäkologen, während der Vorsorgeuntersuchungen, in der Pflicht, die Schwangeren über die Risiken des Alkoholkonsums für ihr Kind aufzuklären.

Verbessert werden soll weiterhin die professionelle Zusammenarbeit im Drogen- und Suchthilfesystem in Deutschland. „Niemand darf verloren gehen“ an den komplexen Schnittstellen zwischen Suchtberatungsstellen, ambulanten und stationären Suchthilfeeinrichtungen, Rehabilitation oder der Jugendhilfe, sagte die Drogenbeauftragte.

Internetsucht als Krankheit klassifizieren

Dyckmans hält es für notwendig, dass die Internetsucht als Krankheit nach der ICD-10 klassifiziert wird. Um weitere Erkenntnisse zu gewinnen, hat sie ihre Jahrestagung im Herbst diesem Thema gewidmet.

Die Nationale Strategie zur Drogen- und Suchtpolitik bleibt in vielem vage. Formuliert werden neben den Herausforderungen Forderungen, was verbessert werden sollte. Hinsichtlich der Umsetzung verweist die Drogenbeauftragte jedoch zumeist auf Modellprojekte und BZgA-Kampagnen.

Petra Bühring

@Der Bericht im Internet:
www.aerzteblatt.de/pp12115

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