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Depressionsforschung: Stress erhöht Lernfähigkeit

PP 11, Ausgabe März 2012, Seite 134

MS

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Stress verändert das Gehirn, indem er zum Beispiel die Architektur der Zellen verändert. Wie dies vonstatten geht, fanden jetzt Depressionsforscher um Prof. Dr. Florian Holsboer vom Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München heraus. Sie entdeckten, dass ein bestimmtes Protein (down-regulated in renal cell carcinoma 1, DRR1) Aktinfasern (eine Komponente des Zellskeletts) binden kann, deren Bündelung dickere Filamente bewirkt und so strukturelle Reorganisationen innerhalb der Zelle moduliert. Untersuchungen an Nervenzellen von Mäusen zeigten, dass Stress DRR1 induziert. Weniger Nervenzellfortsätze und eine veränderte Kommunikation zwischen den Zellen sind die Folgen. DRR1 kann somit als molekulares Bindeglied gewertet werden, das erklärt, wie Stress biologische Reaktionen in verschiedenen Zellen beeinflusst.

Mäuse, die unter Stress höhere DRR1-Mengen im Gehirn produzierten, wiesen eine erhöhte geistige Flexibilität auf und lernten besser. „DRR1 kann die kognitiven Fähigkeiten beeinflussen“, erklärt Priv.-Doz. Dr. Marianne Müller, Expertin für molekulare Stressphysiologie am Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München. Die Verbindung von DRR1 mit Stress erklärt möglicherweise, weshalb ein wenig Stress gut für die Lernfähigkeit ist, während Dauerstress Schädigungen auf zellulärer Ebene bewirken kann, die zu kognitiven Einbußen führen, wie sie auch bei psychisch erkrankten Patienten zu beobachten sind. Inwieweit Kognitionseinbußen durch Stress auf langanhaltend erhöhte Mengen an DRR1 im Gehirn zurückgehen oder durch zusätzliche stressbedingte Effekte ausgelöst werden, sollen weitere Studien klären. ms

Mathias V et al.: Tumor suppressor down-regulated in renal cell carcinoma 1 (DRR1) is a stress-induced actin bundling factor that modulates synaptic efficacy and cognition. PNAS 2011; published ahead of print Oct 3, 2011, doi: 10.1073/pnas.1103318108. MEDLINE
Priv.-Doz. Dr. med. Marianne Müller, Max-Planck-Institut für Psychiatrie, Kraepelinstraße 2–10, 80804 München, muellerm@mpipsykl.mpg.de

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