ArchivDeutsches Ärzteblatt11/2012Umfrage unter Studierenden: Beruf und Familie bleibt ein Spagat

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Umfrage unter Studierenden: Beruf und Familie bleibt ein Spagat

Dtsch Arztebl 2012; 109(11): A-522 / B-455 / C-451

Hillienhof, Arne

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Für familienfreundlich hält lediglich jeder fünfte Medizinstudierende seine Universität. Foto: dpa
Für familienfreundlich hält lediglich jeder fünfte Medizinstudierende seine Universität. Foto: dpa

Die Umfrage der bvmd belegt: Medizinstudierende halten sowohl die Universitäten als auch die Arbeitsbedingungen in Klinik und Praxis für wenig familienfreundlich.

Kind und Karriere? Das ist für viele Medizinstudierende und junge Ärztinnen und Ärzte heute offenbar noch immer ein Gegensatz, der sich nicht auflösen lässt. So legt es die aktuelle Umfrage der „Aktion freundilie – für Freunde und Familie“ der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (bvmd) nahe. Mehr als 2 000 Teilnehmer, darunter 1 950 Studierende und 90 Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung, von 35 Fakultäten in Deutschland beantworteten im vergangenen Jahr 25 Fragen zur Familienfreundlichkeit des Studiums und des Arztberufes.

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„Familienfreundlichkeit spielt für viele Medizinstudierende bereits im Studium eine große Rolle, doch bei der Wahl einer Assistenzarztstelle ist sie mitunter entscheidend“, sagt die bvmd-Präsidentin Melissa Camara Romero dem Deutschen Ärzteblatt. So antworteten auf die Einstiegsfrage „Setzt Du Dich persönlich mit dem Thema Familienfreundlichkeit auseinander?“ 84,2 Prozent der Teilnehmer mit „Ja“. Auf die Ärzte in der Weiterbildung bezogen ist das Thema sogar für 92,3 Prozent der Teilnehmer wichtig. Allerdings weist die bvmd auf eine methodische Einschränkung hin: Es haben sich wahrscheinlich besonders an dem Thema interessierte Studierende und Ärzte beteiligt.

Mehr als zwei Drittel der Studierenden gaben an, dass sie sich unter der Voraussetzung von familienfreundlichen Maßnahmen an der Uni durchaus vorstellen könnten, während des Studiums ein Kind zu bekommen. Aber auf die Frage „Für wie familienfreundlich hältst Du Deine Uni?“ antworteten 34,5 Prozent der Studierenden „gar nicht“ oder „wenig“. Nur 18,4 Prozent hielten ihre Uni für „stark“ oder „sehr stark“ familienfreundlich.

Kinder als Hindernis

Noch schwieriger wird es im späteren Beruf. Auf die Frage „Sind Kinder ein Karrierehemmnis?“ antworteten 68,8 Prozent der Studierenden und 82,4 Prozent der Ärzte mit „Ja“. In der Bewertung der Schwere des Konfliktes zwischen beruflicher Tätigkeit und Familienleben zeigt sich ein Unterschied zwischen Studierenden und bereits berufstätigen Ärztinnen und Ärzten. Während 58,8 Prozent der Studierenden den Konflikt als „stark“ oder „sehr stark“ wahrnehmen, sind es bei den Ärztinnen und Ärzten, die die Realität in Klinik und Praxis erleben, 73,7 Prozent.

Die meisten Befragten sind davon überzeugt, dass familienfördernde Maßnahmen keine negativen betriebswirtschaftlichen Folgen mit sich brächten. Trotzdem würden nur 40 Prozent der Teilnehmer das Thema im Vorstellungsgespräch anbringen. Nahezu alle Befragten waren sich sicher, dass dies ihre Bewerbungschancen verschlechtern würde. „Das ist alarmierend und fordert nicht nur politische Initiative, sondern auch konkrete Verbesserungen in jeder einzelnen Klinik“, meint die bvmd.

Hauptwunsch: Teilzeit

Die jüngste Umfrage bestätigt andere Untersuchungen: So ergab eine Umfrage der bvmd unter Medizinstudierenden bereits 2006, dass sich 86 Prozent der Befragten Kinder wünschen, dies mit ihrem künftigen Beruf aber nur für schwer oder sehr schwer vereinbar hielten. 2010 fragte die Universität Trier zusammen mit der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und dem Medizinischen Fakultätentag 12 000 Medizinstudierende, wie wichtig ihnen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sei. 95,5 Prozent gaben an, dies sei ihnen „wichtig“ oder „sehr wichtig“.

Die jetzige Umfrage zeigt, dass zwischen 70 und 75 Prozent der Kliniken bereits über Möglichkeiten zur Kinderbetreuung verfügen. Als wesentlich wichtiger bewerteten die Teilnehmer der Umfrage aber die Möglichkeit, Teilzeit zu arbeiten, Elternzeit zu nehmen und die Arbeitszeiten individuell zu gestalten.

Dr. med. Arne Hillienhof

@Eine ausführliche Darstellung der Studienergebnisse: www.aerzteblatt.de/nachrichten/49292

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