ArchivDeutsches Ärzteblatt11/2012Wachkoma: Umetikettierung nicht notwendig
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Mein erster klinischer Chef und Lehrer hätte vor nunmehr etwa 40 Jahren bei einem ähnlichen Anlass in Anlehnung an Matthäus 9,17 gesagt, dass da wieder einmal „alter Wein in neuen Schläuchen“ angeboten wird.

Die Diagnosebegriffe apallisches Syndrom, coma vigile oder persistierender vegetativer Zustand sind seit langem eingeführte und verstandene Entitäten, und es erschließt sich mir nicht die Notwendigkeit, nun einen neuen, verbal auch noch sperrigen Begriff wie „Syndrom reaktionsloser Wachheit“ als angeblich allein „adäquat und wissenschaftlich korrekt“ einzuführen, ohne dass sich am Krankheitsbild irgendetwas geändert hätte.

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Es soll also nur umetikettiert werden, wobei die Begründung in sich nicht schlüssig ist. Eine Assoziation von „vegetativ“ zu „gemüsig“ und „apallisch“ zu „gehirnlos“ erscheint doch sehr weit hergeholt und ist mir in meinem Berufsleben noch nie untergekommen.

Natürlich müssen die behandelnden Ärzte wiederholt mit den zu Recht völlig verunsicherten Angehörigen sprechen und die besondere Patienten- und Krankheitssituation erklären und natürlich auch die Diagnose verständlich übersetzen und erläutern. Daran ändert sich auch mit der vorgeschlagenen neuen Bezeichnung nichts, denn welcher medizinische Laie vermag sich ohne Erläuterung unter „Syndrom reaktionsloser Wachheit“ etwas medizinisch Korrektes beziehungsweise überhaupt etwas Konkretes vorzustellen?

Priv.-Doz. Dr. med. habil. Till Höfs, Johanniter-Krankenhaus Genthin-Stendal gGmbH, Klinik für Innere Medizin, 39307 Genthin

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