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Beide Leserbriefe sprechen im Zusammenhang eines standardisierten Vorgehens in der Prähospitalphase des Schlaganfalls wichtige Probleme an.

In dem Leserbrief von R. Sabinski wird angeführt, dass die Fragen in Tabelle 1, die das Leitstellen-Personal auf die Diagnose eines Schlaganfalls lenken sollen, nicht mit dem Notarztindikationskatalog Bayern (1) übereinstimmen. In diesem wird das Meldebild einer akuten Lähmung sowie Sprach-, Seh-, Gehstörung und eine Halbseitenlähmung mit akutem motorischen oder sensiblen Ausfall, abgefragt. Unsere Aufstellung bemüht sich um eine größere Präzisierung und ist bei guter Praktikabilität umfangreicher. Zum Beispiel werden zwei zusätzliche Symptome eines Hirnstamminsultes (Doppelbilder, akuter Schwindel) erfragt, und eines der Leitsymptome einer Hirnblutung beziehungsweise Subarachnoidalblutung (erstmals akut eingesetzte starke Kopfschmerzen) wird hier unmittelbar in den klinischen Kontext des Schlaganfalls gestellt. Die Ausführungen des Kollegen Sabinski in Hinblick auf den Einsatz des RTW beruhen auf einem Missverständnis: Der von uns verwendete Begriff des Rettungsdienstes bezieht sich im Konsens mit dem Bundesverband der Ärztlichen Leiter der Rettungsdienste e. V. auf die Gesamtheit der Leistungen von Notarzt, Rettungsleitstelle und Rettungswagen nach DIN. Über die Notwendigkeit einer Notarztbegleitung soll nach unserem Verständnis nicht vor Ort durch Rettungsassistenten entschieden werden, sondern durch die im regionalen Verband hierfür autorisierte Person, das heißt die ärztliche Leitung der jeweiligen Stroke Unit, einem Notarzt. Diese Vorgehensweise ist ausdrücklich in einer gemeinsamen Sitzung mit den Leitern mehrerer überregionaler Rettungsdienste festgelegt worden.

In dem Leserbrief von Dr. Broicher wird unsere Aussage kritisiert, dass der betroffene Patient mit höchster Priorität in eine Stroke Unit eingewiesen werden soll, obwohl nur höchstens 10 % für eine Lysetherapie infrage kämen, und dies volkswirtschaftlich gesehen bedenklich sei. Zusätzlich müssten Kontraindikationen beachtet werden, die eine Aufnahme in die Stroke Unit unnötig machten. Kollege Broicher hat dahingehend Recht, dass wir nicht pauschal eine direkte Einweisung aller Schlaganfallpatientin in eine Stroke Unit meinten, sondern eine Einweisung in ein Krankenhaus mit Stroke Unit. In der Notaufnahmesituation muss jeweils der aufnehmende Arzt individuell über die Indikation zur Thrombolyse und einer Stroke Unit-Behandlung entscheiden. Eine Pauschalisierung anhand von Krankheitsentitäten halten wir an dieser Stelle nicht für sinnvoll.

Des Weiteren geht der Leserbriefschreiber von der falschen Annahme aus, dass die Stroke Unit eine reine Thrombolysestation sei. Der positive Effekt der Stroke Unit-Behandlung beruht jedoch nicht nur auf der initial durchgeführten Lysetherapie, sondern ganz besonders auf der fachgerechten und kompetenten multiprofessionellen Behandlung, in Verbund mit einer gezielten Diagnostik (2). Dieser Umstand ist in unserem Artikel explizit erläutert worden. Entgegen der Darstellung des Kollegen Dr. Broicher sollte dabei ein Patient mit kurzfristigem Rezidivinfarkt sogar mit hoher Priorität und Dringlichkeit in eine Stroke Unit aufgenommen werden, um von der hohen Fachexpertise zu profitieren.

Abschließend freuen wir uns über die übergroß positive Resonanz auf unsere Übersichtsarbeit.

DOI: 10.3238/arztebl.2012.0234c

Prof. Dr. med. Dr. h.c. Christof Kessler

Direktor der Neurologischen Universitätsklinik

Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald

kessler@uni-greifswald.de

Interessenkonflikt
Prof. Kessler erhielt Erstattung von Teilnahmegebühren sowie Reise- und Übernachtungskosten von Boehringer Ingelheim. Für die Vorbereitung von Vorträgen erhielt er Honorare von Boehringer Ingelheim, GlaxoSmithKline, Johnson & Johnson, Janssen-Cilag, Sanofi und Pfizer. Für die Durchführung von klinischen Studien erhielt er Honorare auf ein Drittmittelkonto der Klinik von Servier, Paion und Ferrer.

1.
Notarztindikationskatalog Bayern. http://www.stmi.bayern.de/imperia/md/content/stmi/sicherheit/rettungswesen 2/110114_notarzt_katalog.pdf
2.
Stroke Unit Trialists’ Collaboration: Organised inpatient (stroke unit) care for stroke. Cochrane Database Syst Rev 2001; 3: CD000197.
3.
Kessler C, Khaw AV, Nabavi DG, Glahn J, Grond M, Busse O: Standardized pre-hospital management of stroke. Dtsch Arztebl Int 2011; 108(36): 585–91.
1.Notarztindikationskatalog Bayern. http://www.stmi.bayern.de/imperia/md/content/stmi/sicherheit/rettungswesen 2/110114_notarzt_katalog.pdf
2.Stroke Unit Trialists’ Collaboration: Organised inpatient (stroke unit) care for stroke. Cochrane Database Syst Rev 2001; 3: CD000197.
3.Kessler C, Khaw AV, Nabavi DG, Glahn J, Grond M, Busse O: Standardized pre-hospital management of stroke. Dtsch Arztebl Int 2011; 108(36): 585–91.

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