ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2012Belastbarkeit bei genetischen Herzerkrankungen
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Plötzliche Herztodesfälle beim Sport werden bei jüngeren Personen vorrangig durch Herzerkrankungen mit genetischem Hintergrund wie hypertrophe Kardiomyopathie, arrhythmogene rechtsventrikuläre Kardiomyopathie, familiäre dilatative Kardiomyopathie und Ionenkanalerkrankungen verursacht. Eine zuverlässige Risikostratifizierung ist mangels Studien nicht möglich. Deshalb sind die Empfehlungen der verschiedenen Fachgesellschaften eher defensiv. Ein generelles Verbot von Wettkampfsport, wie in dem Beitrag von Beckmann et al. empfohlen (1), wird aber speziellen Situationen nicht gerecht.

Sportler mit positivem Genotyp, aber negativem Phänotyp, stellen eine besondere Herausforderung dar. Nach den amerikanischen Empfehlungen ist Wettkampfsport erlaubt (2), nach den europäischen Empfehlungen aber lediglich Gesundheitssport (3). Da eine variable Penetranz besteht, entwickelt nicht jeder Träger beispielsweise eines Krankheitsgens für eine hypertrophe Kardiomyopathie eine pathologische Hypertrophie mit arrhythmogenem Substrat. Als Begründung pro Wettkampfsport wird angeführt, dass es keine Daten gäbe, die es rechtfertigten, Personen mit positivem Genotyp, aber unauffälliger Anamnese und ohne Hinweis auf einen pathologischen klinischen Befund, Wettkampfsport zu verbieten. Regelmäßige Kontrolluntersuchungen sind aber zwingend. Die restriktiven europäischen Empfehlungen basieren auf der Hypothese, Leistungssport könnte zelluläre Mechanismen, die einen pathologischen Phänotyp induzieren, triggern (4). Letztlich zeigen die kontroversen Expertenmeinungen, dass insbesondere bei Athleten, die den Sport als Beruf ausüben, die Wettkampftauglichkeit eine Einzelfallentscheidung ist.

Auch die Art des Wettkampfsports sollte differenziert betrachtet werden. Sportarten mit niedriger statischer und dynamischer Beanspruchung wie Golf oder Kegeln können auch bei den erwähnten arrhythmogenen genetischen Herzerkrankungen als Wettkampfsport betrieben werden. Allerdings sind wiederum die europäischen Empfehlungen restriktiver, die eine solche Freigabe auf die hypertrophe und dilatative Kardiomyopathie mit niedrigem Risikoprofil beschränken (2, 3).

DOI: 10.3238/arztebl.2012.0236a

Prof. em. Dr. med. Wilfried Kindermann

Institut für Sport-und Präventivmedizin, Universität des Saarlandes

w.kindermann@mx.uni-saarland.de

Interessenkonflikt

Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Beckmann BM, Pfeufer A, Kääb S: Inherited cardiac arrhythmias: diagnosis, treatment and prevention. Dtsch Ärztebl Int 2011; 108(37): 623–34. VOLLTEXT
2.
Maron BJ, Zipes DP: 36th Bethesda Conference: eligibility recommendations for competitive athletes with cardiovascular abnormalities. J Am Coll Cardiol 2005; 45: 2–64.
3.
Pelliccia A, Fagard R, Bjornstad HH, et al.: Recommendations for competitive sports participation in athletes with cardiovascular disease. A consensus document from the Study Group of Sports Cardiology of the Working Group of Cardiac Rehabilitation and Exercise Physiology, and the Working Group of Myocardial and Pericardial diseases of the European Society of Cardiology. Eur Heart J 2005; 26: 1422–45.
4.
Pelliccia A, Zipes DP, Maron BJ: Bethesda Conference #36 and the European Society of Cardiology consensus recommendations revisited. A comparison of U.S. and European criteria for eligibility and disqualification of competitive athletes with cardiovascular abnormalities. J Am Coll Cardiol 2008; 52: 1990–6.
1.Beckmann BM, Pfeufer A, Kääb S: Inherited cardiac arrhythmias: diagnosis, treatment and prevention. Dtsch Ärztebl Int 2011; 108(37): 623–34. VOLLTEXT
2.Maron BJ, Zipes DP: 36th Bethesda Conference: eligibility recommendations for competitive athletes with cardiovascular abnormalities. J Am Coll Cardiol 2005; 45: 2–64.
3.Pelliccia A, Fagard R, Bjornstad HH, et al.: Recommendations for competitive sports participation in athletes with cardiovascular disease. A consensus document from the Study Group of Sports Cardiology of the Working Group of Cardiac Rehabilitation and Exercise Physiology, and the Working Group of Myocardial and Pericardial diseases of the European Society of Cardiology. Eur Heart J 2005; 26: 1422–45.
4.Pelliccia A, Zipes DP, Maron BJ: Bethesda Conference #36 and the European Society of Cardiology consensus recommendations revisited. A comparison of U.S. and European criteria for eligibility and disqualification of competitive athletes with cardiovascular abnormalities. J Am Coll Cardiol 2008; 52: 1990–6.

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