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Medizinstudium in den USA: Bis zum Hals verschuldet

Deutsches Ärzteblatt Studieren.de, 2/2012: 10

Schmitt-Sausen, Nora

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Die medizinische Ausbildung hat in den USA einen exzellenten Ruf. Doch wer Medizin studieren will, braucht mehr als lediglich gute Noten. Das Studium kostet ein Vermögen. Nach Abschluss der Medical School hängen die meisten Amerikaner tief in den Miesen.

Foto: iStockphoto [m]
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Nicht wenige deutsche Studenten stöhnen über die Studiengebühren, die vor einigen Jahren in Deutschland eingeführt worden sind. Manch einer flüchtet zum Studium gar in Länder wie Österreich, wo es keine Studiengebühren gibt. Doch im Vergleich zu dem, was amerikanische Studenten für ihr Studium hinlegen müssen, sind die Gebühren im deutschen System ein Pappenstiel. Das Medizinstudium ist besonders teuer. Die weltweit angesehene Ausbildung hat ihren Preis: Amerikaner müssen auf einer Medical School zwischen 25 000 und 43 000 Dollar hinblättern. Pro Semester. Angesichts solcher Summen kann kaum jemand sein Studium aus eigener Tasche bezahlen. Studienkredite gehören deshalb fest in das amerikanische System. Das Resultat: Junge Ärzte verlassen die Medical School im Durchschnitt mit 160 000 Dollar Schulden. Es dauert Jahre, bis sie ihre Kredite abbezahlt haben.

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Bereits bevor die Amerikaner ihr Medizinstudium starten, stehen viele von ihnen bei privaten oder staatlichen Kreditgebern tief in der Schuld. Denn die Grundvoraussetzung, um auf einer der 134 Medical Schools des Landes angenommen zu werden, ist ein abgeschlossenes Bachelorstudium von vier Jahren Dauer. Dieses Vorstudium kostet nicht nur Zeit, sondern vor allem eins: Geld. Bei jedem Dritten hat sich durch Studiengebühren und Lebenshaltungskosten bereits ein kleiner Schuldenberg angehäuft, bevor sie überhaupt einen Fuß in eine Medical School gesetzt haben. Dort angekommen, vergrößern sich die Schulden weiter. Erst nach weiteren vier Jahren ist der akademische Teil der medizinischen Ausbildung abgeschlossen. 86 Prozent der Absolventen sind zu diesem Zeitpunkt bis zum Hals verschuldet. Einige stehen bei mehreren Kreditgebern gleichzeitig in der Kreide.

Nach der Medical School folgt die Facharztausbildung. Ab diesem Zeitpunkt verdienen die jungen Mediziner Geld. Das Einstiegsgehalt liegt bei knapp 50 000 Dollar Jahresgehalt. Doch viel ist das nur auf den ersten Blick, denn nun müssen viele damit beginnen, ihren Studienkredit abzuzahlen. Je nach Spezialisierung dauert die Facharztausbildung drei bis sieben Jahre.

Die Kreditgeber bieten den jungen Ärzten verschiedene Rückzahlungsmodelle an. Sie variieren stark in der Laufzeit und bei der Höhe der Abstotterungsrate. Je nachdem, was bei der Aufnahme des Kredits besprochen worden ist und welche Summe getilgt werden muss, liegen die Raten zwischen 200 und 2 000 Dollar im Monat. Im Durchschnitt braucht ein amerikanischer Medizinstudent zehn Jahre, um seinen Studienkredit abzuzahlen. Manche Rückzahlungsmodelle sind sogar auf einen Zeitraum von 25 Jahren angelegt. Viele Mediziner entscheiden sich dafür, einen Kredit beim Staat aufzunehmen, da dieser die größtmögliche Flexibilität bei der Tilgung zulässt. Private Geldgeber zeigen sich dagegen meist wenig kompromissbereit, wenn es an die Rückzahlung geht.

Eines sollte man wissen: Grundsätzlich verstehen Amerikaner das Schulden machen zugunsten einer guten Ausbildung als Investition in die Zukunft. Diese Mentalität unterscheidet sie sehr von deutschen Studenten. Im Fall der Medizin geht diese Rechnung bis heute auf: Einmal im Job angekommen, verdienen amerikanische Ärzte sehr gut. Schon das Einstiegsgehalt eines fertig ausgebildeten Arztes liegt bei durchschnittlich 170 000 Dollar im Jahr, in Spezialisierungen wie Neurologie und Radiologie ist es sogar deutlich höher. Mediziner sind aus einem weiteren Grund gut dran. Während viele junge Absolventen anderer Berufsgruppen derzeit ohne Jobperspektive die Uni verlassen, lässt die anhaltende Wirtschaftskrise der USA die Medizin nahezu unberührt. Die Berufsaussichten für junge Ärzte sind sehr gut.

Doch auch nicht jeder Medizinstudent kann oder will seinen langjährigen Verpflichtungen aus dem Kredit nachkommen. Nach Angaben der Association of American Medical Colleges strebt fast jeder Dritte ein sogenanntes Loan Forgiveness Program an. Dafür kommt infrage, wer ein staatliches Darlehen in Anspruch genommen hat, um sein Studium zu finanzieren. Ein Teil der Schulden wird dann nicht in Form von Raten, sondern in Arbeitsstunden abgestottert. Die Ärzte können beispielsweise zusätzlich Dienste in medizinisch unterversorgten Regionen schieben oder zu relevanten Feldern an einer staatlichen Einrichtung forschen. Die große finanzielle Bürde des Studienkredits wird auf diese Weise gelindert. Allerdings geht bei dieser speziellen Art der Tilgung etwas anderes drauf: Freizeit. Nora Schmitt-Sausen

Als Deutscher in den USA Medizin studieren

1. Die Rahmenbedingungen – wenig Plätze für ausländische Studierende. Viele Universitäten bieten ausländischen Medizinstudenten zwar die Möglichkeit, für mehrmonatige Gastaufenthalte oder auch ein Semester in den USA zu forschen. Das vollständige Studium in den USA zu absolvieren, ist für Nichtamerikaner jedoch schwer, denn Medizin-Studienplätze sind auch in den USA sehr begehrt. Die Medical Schools haben weit mehr Bewerber als Plätze und vergeben diese fast ausschließlich an US-Staatsbürger.

2. Die Anforderungen – besonders hohe Hürden für Nichtamerikaner. Vorausgesetzt, dass amerikanische Medical Schools überhaupt für die Bewerbung ausländischer Mediziner offen sind, sind die Anforderungen sehr hoch. Oft müssen internationale Studenten bereits zwei Jahre Universitätsausbildung in den USA vorweisen können. Manche Einrichtungen erwarten gar einen ersten US-Abschluss. Und: Der Aufnahmetest der Medical Schools hat es in sich. Die inhaltlichen und sprachlichen Hürden sind nur für Ausnahmetalente zu überwinden.

3. Die Finanzierung – kaum Unterstützung für internationale Studenten. Anders als für amerikanische Studenten stehen ausländischen Studierenden nur sehr wenige Fördermöglichkeiten zur Verfügung. Auch spezielle Finanzierungsprogramme für internationale Studenten gibt es an Medical Schools kaum. Bei der Frage, wie ein Studium oder Teilstudium in den USA finanziert werden kann, hilft grundsätzlich das Online-Angebot des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (www.daad.de).

4. Die Alternative – den Facharzt in den USA machen. Wer vom Traum der Arztausbildung in den USA nicht Abstand nehmen möchte, für den könnte es eine Möglichkeit sein, den Facharzt (oder Teile davon) in den USA zu machen. Voraussetzung dafür sind die Approbation in Deutschland und verschiedenstufige Aufnahmeprüfungen. Allerdings ist auch hier viel Können gefragt. Die Examen der US-Facharztausbildung sind sehr anspruchsvoll. Dennoch: Ausländer haben gute Chancen, und die Bewerbungsverfahren sind bestens organisiert. Über Details informiert der Marburger Bund (www.marburger-bund.de); individuelle Fragen zur Anerkennung klären die Lan­des­ärz­te­kam­mern.

5. Das Visum – klar definierte Regeln. Für die medizinische Ausbildung in den USA ist mindestens ein J1-Visum erforderlich. Es ist in der Regel auf die Dauer der Weiterbildung begrenzt und berechtigt nicht dazu, unmittelbar im Anschluss an die Ausbildung als Arzt in den USA zu bleiben. Die ausländischen Mediziner müssen die USA in den meisten Fällen nach Abschluss der Qualifizierung erst einmal wieder verlassen. Erforderlich für ein Visum sind etwa der Nachweis von Sprachkenntnissen und eine gesicherte Finanzierung des Aufenthalts.
Alle Informationen gibt es auf der Seite der US-Botschaft: www.usembassy.de.

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