ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2012Nierenlebendspende: Kein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko nach Spende

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Nierenlebendspende: Kein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko nach Spende

Siegmund-Schultze, Nicola

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Circa jede fünfte transplantierte Niere in Deutschland stammt von einem Lebendspender, Tendenz: steigend. Schätzungen zufolge gibt es weltweit jährlich etwa
27 000 Nierenlebendspender. Es ist bekannt, dass sie häufiger eine Mikroalbuminurie entwickeln als die altersentsprechende Normalbevölkerung. Zudem haben in der Dekade nach Organentnahme früheren Untersuchungen gemäß circa 40 % der Spender eine glomeruläre Filtrationsrate (GFR) von 60 bis 80 ml/min/1,73 m2, bei 10 % liegt sie sogar zwischen 30 und 59 ml/min/1,73 m2 (1). Dies wird als Folge einer Reduktion der Nierenmasse, nicht eines pathologischen Prozesses gesehen. Dennoch: Da eine Erniedrigung der GFR im Allgemeinen mit einem erhöhten Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen assoziiert ist, haben kanadische Forscher untersucht, ob diese Assoziation auf Nierenlebendspender zutrifft. Es handelt sich um eine Fall-Kohortenstudie mit 2 028 Nierenspendern und 20 280 in Alter und Geschlecht gematchten Nicht-spendern der Provinz Ontario. Die Spender waren bei der Nephrektomie im Mittel 43 Jahre (34 bis 50 Jahre).

Die Nierenspender hatten ein geringeres Risiko für kardiovaskuläre Mortalität und schwere kardiovaskuläre Ereignisse als die gematchte Kontrollgruppe (2,8 versus 4,1 Ereignisse/1 000 Personenjahre; Hazard Ratio 0,66). Höheres Lebensalter und geringes Einkommen waren in beiden Gruppen mit höheren Raten kardiovaskulärer Ereignisse assoziiert.

Fazit: Das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse ist in der ersten Dekade nach Entnahme einer Niere von präoperativ gesunden Spendern im Vergleich zur Normalbevölkerung nicht erhöht, sondern – im Gegenteil – erniedrigt. Die Lebendspender hätten vor der Operation zum gesündesten Teil der Bevölkerung gehört, erklären die Autoren das Ergebnis. Dieses lasse sich nicht auf ältere Spender oder solche mit erhöhten Risiken durch Hypertonie oder Adipositas übertragen, wie sie in vielen Ländern, auch Deutschland, zunehmend akzeptiert werden.

Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

  1. Garg AX, Muirhead N, Knoll G, et al.:
    Proteinuria and reduced kidney function in living kidney donors: a systematic review, meta-analysis, and meta-regression. Kidney 2006; 70: 1801–10 MEDLINE
  2. Garg AX, Meirambayeva A, Huang A, et al.: Cardiovascular disease in kidney donors: matched cohort study. BMJ 2012; 344: e1203; doi: 10.1136bmj/e1203 MEDLINE

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